Dies zeigt eine Meta-Analyse von 22 klinischen Studien, die insgesamt 143.153 Patienten umfassten. In dieser Analyse sollten die verschiedenen antihypertensiv wirksamen Substanzklassen miteinander verglichen werden im Hinblick darauf, ob sie die Entstehung eines Diabetes mellitus bei antihypertensiver Langzeitbehandlung verhindern können.

Keiner der Probanden in diesen Studien litt zu Studienbeginn an einem Diabetes mellitus, wurde aber mit einem Antihypertensivum behandelt. In Bezug auf Diuretika als Referenzsubstanzen (relatives Risiko: 1.0), war die Einnahme der anderen typischen Substanzklassen mit folgenden relativen Diabetes-Risiken verbunden: Beta-Blocker: 0.9; Placebo: 0.77; Kalziumkanal-Blocker: 0.75; ACE-Hemmer: 0.67; Angiotensin-Rezeptor-Antagonisten: 0.57.

Warum die Angiotensin-Rezeptor-Antagonisten den ACE-Hemmern zumindest auf diesem Gebiet überlegen sind, können auch die Studienleiter nicht erklären. Ihre Studie unterstützt aber die Erkenntnis, wonach Beta-Blocker und Diuretika das schlechteste diabetische Profil haben, Angiotensin-Rezeptor-Antagonisten und ACE-Hemmer das beste.

Kommentatoren weisen darauf hin, dass nach Schätzungen etwa 20 Millionen Hochdruck-Patienten mit Thiazid-Diuretika behandelt werden und etwa ebenso viele mit Beta-Blockern. Rein rechnerisch bedeutet das, dass etwa 250.000 neue Fälle von Diabetes mellitus auf diese Substanzklassen zurückzuführen sind. Dies wäre etwa ein Viertel aller neu diagnostizierten Diabetes-Patienten pro Jahr in den USA.

Angesichts der neuen Erkenntnissee fordern Experten bereits, die Leitlinien zur Hypertonie-behandlung zu überarbeiten. Viele Leitlinien verlangen, Diuretika als First-Line-Therapie gegen Hypertonie einzusetzen.


MEDICA.de; Quelle: Lancet 2007, Vol. 369, S. 201-207