Anhebung des Testeronwertes wirkt hemmend

Testosteron gehört zu den wichtigsten Geschlechtshormonen und wird sowohl bei Männern als auch bei Frauen produziert. Beim Mann wird das Hormon im Hoden hergestellt und steuert nicht nur die Entwicklung der inneren und äußeren männlichen Geschlechtsorgane und der Spermien, sondern auch den Knochen- und Muskelaufbau und die Libido.

Darüber hinaus wird Testosteron zunehmend eine wichtige entzündungshemmende Funktion zugeschrieben. Dies wird augenscheinlich durch die deutlich erniedrigte Anfälligkeit von Männern für Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, Lupus erythematodes oder rheumatoide Arthritis. Entzündungen und Infekte führen oft zu erniedrigten Testosteronspiegeln, so dass dessen entzündungshemmende Wirkung weniger wirksam ist. Dies wird auch bei Entzündungen und Infekten des männlichen Reproduktionstraktes beobachtet, die eine häufige Ursache für unerfüllten Kinderwunsch darstellen.

Vor diesem Hintergrund hat das Gießener Wissenschaftlerteam unter Führung von Doktor Monika Fijak und Professor Andreas Meinhardt (Institut für Anatomie und Zellbiologie der Justus-Liebig-Universität Gießen) in Experimenten herausgefunden, dass eine Anhebung des bei Hodenentzündungen erniedrigten Testosteronwertes die Erkrankung deutlich hemmen kann. Durch die zusätzliche Gabe von Testosteron ist es den Wissenschaftlern gelungen, die Entzündung im Ratten-Hoden zu bremsen und die nachfolgende Störung der Keimzellbildung zu unterdrücken. Dabei wirkt das männliche Sexualhormon sehr vielfältig. So beeinflusst Testosteron direkt die Entstehung von sogenannten regulatorischen T-Zellen, die eine wichtige Rolle in der Erhaltung des Immungleichgewichtes spielen.

Weiterhin hat die Testosteron-Ergänzungstherapie auch einen hemmenden Effekt auf die Ansammlung von Entzündungszellen wie Makrophagen oder T-Zellen im Hoden sowie auf die Produktion einer Reihe von entzündungsbegünstigenden Botenstoffen (Zytokinen), die Entzündungszellen zum erkrankten Organ locken.

Weitere Untersuchungen zum immunregulatorischen Mechanismus von Testosteron werden im Rahmen des neuen von der hessischen Landesregierung aufgelegten Schwerpunkts „Männliche Infertilität bei Infektion & Entzündung" (MIBIE, Sprecher Professor Wolfgang Weidner) von Doktor Fijak, Leiterin der Nachwuchsgruppe am Institut für Anatomie und Zellbiologie, im Rahmen der hessischen Landesoffensive für die Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) durchgeführt. Die Wissenschaftler wollen so mehr Erkenntnisse über die Wirkungsmechanismen von Testosteron auf Immunzellen

MEDICA.de; Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen