Anstieg der HIV-Infektionen

Foto: Aidsschleife

HIV-Neuinfektionen sind auch
2007 weiter gestiegen; © SXC

"Eine der bislang wenig bekannten Ursachen für den Anstieg ist die hohe Zahl der Syphilis- Infektionen in Deutschland", sagt Jörg Hacker, Präsident des Robert Koch-Instituts. Das Syphilis-Bakterium und andere sexuell übertragbare Erreger führen über die Förderung von entzündlichen Prozessen dazu, dass daran Erkrankte sich leichter mit HIV anstecken.

Ist der an Syphilis Erkrankte bereits mit HIV infiziert, kann er das HI-Virus leichter weitergeben, er ist also infektiöser. "Prävention, frühzeitige Diagnose und wirksame Therapie der Syphilis und anderer bakterieller sexuell übertragbarer Erreger müssen daher stärker ins Blickfeld gerückt werden", betont Hacker.

Zu der größten Gruppe der HIV-Neuinfektionen gehören mit 65 Prozent nach wie vor homosexuelle Männer. Bei ihnen stieg die Zahl der Neudiagnosen überdurchschnittlich an, im Jahr 2007 um zwölf Prozent gegenüber 2006. Auch bei Personen mit Angabe eines heterosexuellen Infektionsrisikos stieg die Zahl der HIV-Neudiagnosen erneut, um 7,5 Prozent im Jahr 2007 gegenüber 2006. Bei Konsumenten intravenös verabreichter Drogen (IVD) und bei Migranten aus Ländern, in denen HIV/ AIDS stark verbreitet ist, ging die Zahl der Meldungen dagegen zurück (um sechs Prozent bei IVD und 18 Prozent bei Hochprävalenzländern).

Ein weiterer Aspekt, der für den Anstieg der HIV-Zahlen eine Rolle spielt, sind die Veränderungen beim Beginn der HIV-Therapie: nach 2000 wurde die Behandlung meist nicht mehr direkt nach Bekanntwerden der Infektion begonnen, sondern auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Daher findet heute bei einem größeren Anteil der Patienten, bei denen eine HIV-Infektion diagnostiziert ist, (noch) keine Reduktion der Infektiosität durch eine antivirale Therapie statt. Gegenwärtig geht der Trend dahin, dass eher wieder zu einem früheren Behandlungsbeginn geraten wird.

MEDICA.de; Quelle: Robert Koch-Institut