Anti-Leukämie-Wirkstoff kurz vor der Markteinführung

31.07.2014
Foto: Blister mit Kapseln

Das Universitätsklinikum Würzburg hält Strukturen bereit, die die Entwicklung von innovativen Krebswirkstoffen wie Blinatumomab begünstigen; © Frank Straube/ panthermedia.net

Blinatumomab ist ein Wirkstoff, der dem Immunsystem von Krebspatienten hilft, Tumorzellen zu erkennen und zu vernichten. Zu wesentlichen Teilen entwickelt und getestet wurde er am Universitätsklinikum Würzburg. Im Juli hat der gentechnisch erzeugte Antikörper von der US-amerikanischen Zulassungsbehörde Food and Drug Administration die „Breakthrough Therapy Designation“ erhalten. Demnach ist damit zu rechnen, dass der Arzneistoff, der die Heilungschancen vor allem von Leukämie erhöht, bald als reguläres Medikament auf den Markt kommt.

Das am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) angesiedelte Comprehensive Cancer Center (CCC) Mainfranken verfolgt das Ziel, Patienten mit Tumorerkrankungen nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft zu behandeln und neue Therapiewege zu entwickeln. „Eine der großen Hoffnungen der internationalen Krebsforschung beruht darauf, das körpereigene Immunsystem des Patienten gegen die Tumorzellen wenden zu können“, schildert Prof. Ralf Bargou, der Direktor des integrativen Krebsbehandlungs- und Krebsforschungs-Zentrums.

Zu den stärksten Waffen der Immunabwehr zählen die T-Zellen. „Nur leider sind diese Killer in der Regel blind gegenüber Krebszellen, sie können sie nicht von gesunden Zellen unterscheiden und greifen sie deshalb auch nicht an“, erläutert Prof. Bargou. Der Lehrstuhlinhaber für Translationale Onkologie am UKW forscht schon seit den frühen 1990er Jahren daran, wie diese biochemische Blindheit überbrückt werden kann. Mit Erfolg: Es gelang ihm und seinem Team zusammen mit Forschern aus München, gentechnisch einen Antikörper zu designen, der einerseits in der Lage ist, an der Krebszelle anzudocken und andererseits an T-Zellen binden kann. Mit Hilfe dieses „Adapters“ werden die Abwehrzellen aktiviert, sie erkennen die schädlichen Zellen und können sie in der Folge zerstören.

Seit der Entdeckung dieser Wirkungsweise ist der bispezifische Antikörper einen weiten Weg von Labortests über Tierversuche bis hin zum Einsatz beim Menschen in klinischen Studien gegangen. Mittlerweile trägt der Wirkstoff den Namen Blinatumomab. Als besonders wirkungsvoll erwies er sich bislang bei der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) und bei Non-Hodgkin-Lymphomen.

„Blinatumomab wurde am CCC Mainfranken und an anderen internationalen Forschungszentren mittlerweile schon bei insgesamt über 300 Studienpatienten eingesetzt. Bei der Mehrzahl war zumindest ein teilweiser, häufig auch ein kompletter Rückgang der Tumorzellen zu beobachten“, beschreibt Prof. Bargou die hohe Leistungsfähigkeit des neuen Arzneistoffs.

Im Juli 2014 erhielt Blinatumomab von der US-amerikanischen Zulassungsbehörde Food and Drug Administration die sogenannte Breakthrough Therapy Designation. „Dieser Status bringt unter anderem eine beschleunigtes Zulassungsverfahren mit sich, so dass wir damit rechnen können, dass schon im kommenden Jahr ein fertiges Blinatumomab-Medikament auf den Markt kommt“, freut sich Prof. Bargou.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Würzburg