Experten schätzen, dass bis zu 20 Prozent aller Antibiotika wegen einer akuten Sinusitis verordnet werden. Häufig ist sie die Folge einer Infektion der oberen Luftwege. Die Diagnose ist nicht leicht. Bis zu 39 Prozent aller Patienten mit einer einfachen Erkältung haben Beschwerden, die sich selbst radiologisch als Sinusitis darstellen können und nur selten werden Kulturen aus den Nebenhöhlen angelegt, die eine Infektion beweisen könnten. Vor diesem Hintergrund fragen sich Mediziner schon lange, ob Ärzte bei einer vermuteten Sinusitis nicht zu viel und zu ungezielt Antibiotika verschreiben.

Nun gibt es eine Meta-Analyse aus 57 Studien, die ein wenig Klarheit in dieser Frage bringen kann. Hauptfrage war, ob und welche Antibiotika man bei einer akuten Sinusitis verordnen sollte.

Unter dem Strich zeigen die untersuchten Studien, dass Antibiotika einer Verabreichung von Placebo nur leicht überlegen ist. Tatsächlich waren die Heilungsraten in beiden Gruppen sehr hoch: Unter Antibiotika heilten 90 Prozent aller akuten Sinusitiden folgenlos aus, unter Placebo immerhin 80 Prozent. Beim Vergleich der eingesetzten Antibiotika zeigte sich, dass sie offenbar alle gleich gut sind: Keine Antibiotikaklasse war der anderen signifikant überlegen.

Die Studienleiter fassen das Ergebnis ihrer Meta-Analyse folgendermaßen zusammen: Antibiotika haben einen geringen, aber nachweisbaren Nutzen bei Patienten mit einer unkomplizierten Sinusitis und Beschwerden, die länger als sieben Tage andauern. Da aber 80 Prozent der Erkrankungen von alleine ausheilen, sollten Ärzte den Nutzen einer solchen Antibiotikatherapie sehr genau gegen die potentiellen Risiken unerwünschter Nebenwirkungen abwägen. Außerdem besteht bei Antibiotikagabe immer die Gefahr der Resistenzentwicklung.

MEDICA.de; Quelle: Cochrane Database Syst Rev 2008