10/08/2012

Wieland-Werke AG

Antimikrobielle Kupferlegierungen von Wieland reduzieren Keimbelastung

Während große Krankenhäuser wie das französische Rambouillet Hospital (bei Paris) bereits spezielle Antimic-Bauteile wie Türverkleidungen sowie Handläufe einsetzen, werden die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten weiter erforscht. So nutzte die studentische Beratungsgruppe „Cover Upgrade“ im Rahmen einer Projektarbeit unter der Leitung von Dominik Bayerl eine süddeutsche Arztpraxis für einen Feldtest.

Bei diesem Projekt der Dualen Hochschule Baden-Württemberg wurde erstmals weltweit die antimikrobielle Wirksamkeit von Kupferlegierungen im Einsatz in einer Arztpraxis gemessen. In den Praxisräumen des Heidenheimer Arztes Gert-Michael Gmelin untersuchten die angehenden Wirtschaftingenieure die herkömmlichen Materialien sowie diverse Bauteile im Alltagstest auf ihre antimikrobielle Wirkung. Konkret wurden die Praxisräume mit Türklinken, Lichtschaltern sowie einer neuen Oberfläche am Empfangstresen aus antimikrobiellen Legierungen von Wieland ausgestattet. Nach der Neuinstallation wurde die Keimbelastung erneut gemessen und mit den Messungen an den herkömmlichen Bauteilen verglichen.

Das Ergebnis ist eindeutig: Die neu installierten Bauteile weisen eine erheblich geringere Keimbelastung auf als die konventionellen Komponenten, die Reduktion liegt bei laufendem Praxisbetrieb bei mehr als 80 Prozent. Die Einsatzmöglichkeiten der Wieland-Legierungen sind vielfältig – von Türgriffen über Schalter und Handläufe bis hin zu Möbelbeschlägen und Anwendungen im OP-Umfeld. Bedeutsam ist dabei die „Cu+“ Zertifizierung der International Copper Association (ICA), die auch für die Legierungsfamilie von Wieland gilt. Sie bescheinigt den speziell entwickelten Kupferwerkstoffen ihre nachweislich antimikrobielle Wirkung.

Beim Umbau der Heidenheimer Arztpraxis wurden die wichtigsten oft berührten Bauteile durch antimikrobielle Legierungen der Wieland-Werke ersetzt. So ließ das Forschungsteam die Türklinken aus verchromtem Stahl bzw. Kunststoff durch den Werkstoff FX 9 ersetzen, die Kunststoff-Lichtschalter und –Steckdosen wurden durch Bauteile aus L49 substituiert.

Die Tresenabdeckung – zuvor aus Kunststoff - wurde ebenfalls aus FX9 ausgeführt, und der verchromte Stahlgriff der Durchreiche durch SW1 ersetzt. Mithilfe eines Luminometers führte das „Cover Upgrade“-Projektteam die Messung der Keimbelastung vor und nach dem Umbau durch. Gemessen wurde die vorhandene Biolumineszenz der Oberflächen, angegeben in „Relativ Light Units“ (RLU), die einen direkten Rückschluss auf die tatsächliche Keimzahl zulässt – je höher dieser Wert, desto höher die Belastung. Die direkte Korrelation dieser beiden Werte wurde während einer Kooperation mit dem Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München quantifiziert. Die Ergebnisse der Messungen bei normalem Praxisbetrieb waren eindeutig: Während auf den nicht antimikrobiellen Teilen eine durchschnittliche Belastung von rund 562 RLU gemessen wurde, ergab sich auf den antimikrobiellen Bauteilen eine Durchschnittsbelastung von ca. 92 RLU.

Nach der Studie von „Cover Upgrade“ kann damit von einer Keimreduktion von 83,7 Prozent ausgegangen werden. Laut Tobias Ziesel, dem Verantwortlichen für Technologie im Projektteam, reichen die in dieser Studie verwendeten Messgeräte nicht aus, um das volle Ausmaß der Keimreduktion zu erfassen. „Da die gemessenen Werte zum großen Teil auf der unteren Messschwelle der verwendeten Geräte liegen, haben wir wohl nicht die gesamte Abnahme erfassen können“. Unter Laborbedingungen erreichen antimikrobielle Kupferlegierungen eine Keimreduktion von 99,99% und mehr innerhalb von zwei Minuten.

Der Praxiseinsatz von antimikrobiellen Legierungen der Wieland-Werke verläuft bisher sehr erfolgreich. Das aktuellste Beispiel ist das Centre Hospitalier de Rambouillet im Großraum Paris. Hier wurden diverse Innenraum-Elemente installiert, um das Infektionsrisiko für die Patienten zu senken: Ausgetauscht wurden unter anderem Tischwagen, die nun mit maßgeschneiderten Oberflächen aus der Legierung S23 mit der chemischen Zusammensetzung CuZn23Al3Co ausgestattet sind. Ebenfalls aus dieser Legierung wurden Türplatten für die typischen Schwingtüren gefertigt. Des Weiteren kommen Lichtschalter aus der Wieland-Legierung L49 mit der Zusammensetzung CuNi9Sn2 zum Einsatz sowie Handläufe aus M37 mit der Zusammensetzung CuZn37. Die hierzulande bisher bekannteste Krankenhaus-Referenz ist die Asklepios Klinik Wandsbek in Hamburg. Im Rahmen des vom Deutschen Kupferinstitut (DKI) begleiteten Feldversuches „Antimikrobielle Kupferoberflächen“ wurden hier in zwei Stationen über mehrere Monate hinweg Türgriffe, Türplatten und Lichtschalter gegen solche aus speziellen Kupferlegierungen ausgetauscht. Das Ergebnis: Auf den Kupferoberflächen fanden sich im Vergleich zu den herkömmlichen Materialen deutlich weniger Antibiotika-resistente Bakterien wie MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus).

Antimikrobielle Kupferlegierungen der Wieland-Werke AG
Bereits im Jahr 2008 hat die US-Umweltbehörde EPA die antimikrobielle Wirkung von ausgewählten Kupferlegierungen anerkannt. In zahlreichen, weltweit durchgeführten Studien konnte diese Wirkung ebenfalls nachgewiesen werden. Die Wieland-Werke AG bietet mehrere antimikrobielle Legierungen an. Diese Werkstoffe sind in unterschiedlichen Farbvarianten erhältlich und wurden insbesondere für den Einsatz im medizinischen Umfeld entwickelt. Oft berührte Kontaktflächen wie Türgriffe, Lichtschalter und Handläufe, die aus entsprechenden Kupferlegierungen hergestellt werden, wirken nachweislich antimikrobiell. Dadurch bieten sie im Verbund mit herkömmlichen Hygiene-Maßnahmen einen optimalen Schutz gegen Infektionen.