Daten aus Tierstudien haben Schlimmes ahnen lassen: Demnach erhöhen antiretrovirale Medikamente das Risiko von ZNS-Störungen oder anderen Geburtsdefekten beim Ungeborenen. Darum werden mit Hilfe des „Antiretroviral Pregnancy Registry“ Geburtsdefekte bei Neugeborenen HIV-positiver Mütter unter antiretroviraler Therapie registriert.

Zur Besorgnis besteht aber offenbar kein Anlass. Das zeigen Daten, die jetzt beim 13. Jahreskongress zu “Retroviruses and Opportunistic Infections“ in Denver vorgestellt wurden. Wissenschaftler aus Baltimore haben die Daten dieses Registers aus den Jahren 1989 bis Juli 2005 analysiert. 5.169 Lebensgeburten sind darin verzeichnet. Alle Kinder waren im Mutterleib mit antiretroviralen Wirkstoffen in Berührung gekommen. Das reicht von Monotherapien mit Zidovudin bis zu hochwirksamen Proteasehemmern.

Wie die Wissenschaftler beim Kongress berichteten, zeigen sich bislang keinerlei Hinweise darauf, dass die Zahl von ZNS-Defekten oder anderer Geburtsdefekte bei solchen Kindern erhöht ist. Unter den 1.980 Kindern, die im ersten Trimester solchen Wirkstoffen ausgesetzt waren, traten 59 Geburtsdefekte auf. Das liegt etwa im Rahmen der 3,1 Geburtsdefekte pro 100 Lebensgeburten, die man normalerweise sieht.

Unter den beobachteten Geburtsdefekten waren vier Fälle eines ZNS-Schadens. Darunter ein Holoprosenzephalon, Retardierung des Gehirnwachstums und zwei Fälle eines Hydrozephalus.

Allerdings weisen die Studienautoren darauf hin, dass ihre Daten retrospektiv erhoben wurden. Jetzt sollen prospektive Studien zeigen, ob antiretrovirale Medikamente tatsächlich keine ZNS-Schäden verursachen.

MEDICA.de; Quelle: 13th Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections