Die Mortalität bei schwer kranken Patienten auf Intensivstationen ist hoch. 30 bis 50 Prozent aller Kranken mit einer schweren Sepsis oder einem septischen Schock versterben. Selbst wenn einer schweren Erkrankung keine Infektion zugrunde liegt, kommt es oft zu entzündlichen Reaktionen im Körper und vaskulären Schäden.

Das gilt zum Beispiel für Traumata, bösartige Erkrankungen, allergische Reaktionen oder Vergiftungen sowie Leberversagen. Während solcher Erkrankungen kann es zu einer systemischen Aktivierung von Gerinnungsfaktoren kommen, die zu einer disseminierten intravaskulären Koagulation führt. Am Ende stehen dann mikrovaskuläre Thrombosen.

Die Substanz Antithrombin III ist ein antikoagulatorischer Wirkstoff mit antientzündlichen Eigenschaften. Es liegt daher nahe, schwer kranken Patienten bei entsprechender Indikation Antithrombin III zu verabreichen. In einer Meta-Analyse sollte dies nun genauer analysiert werden.

20 Studien entsprachen den strengen Qualitätskriterien. Insgesamt 3.458 Patienten hatten daran teilgenommen. Als man die Ergebnisse der Patienten, die bei entsprechender Indikation mit Antithrombin III behandelt worden waren, mit den Ergebnissen der Nicht-Behandelten verglich, machte sich Nüchternheit breit: Antithrombin III hat demnach keinerlei signifikanten Effekt: Während 667 Patienten (39,1 Prozent) in der Interventionsgruppe verstarben, waren es ohne Antithrombin III 699 Patienten (39,9 Prozent, nicht signifikant).

Auch andere Parameter wie etwa die Inzidenz eines respiratorischen Versagens, die Dauer der künstlichen Beatmung, Notwendigkeit eines chirurgischen Eingreifens oder die Länger der Aufenthaltsdauer im Krankenhaus wurden nicht signifikant beeinflusst.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2007, Vol. 335, S. 1248-1251