Arbeitsgruppe für einen maßgeschneiderten Einsatz von Antiinfektiva

21.08.2015
Foto: Zwei Männer mit hellen Haaren lächeln in die Kamera

Prof. Vogel (links) und Prof. Ullmann: zwei der Experten der neuen AMS-Arbeitsgruppe, die sich am Uniklinikum für einen klinikumsweit optimierten Einsatz von Antiinfektiva einsetzen; © Universitätsklinikum Würzburg

Antiinfektiva allen voran Antibiotika sind eine therapeutisch so wertvolle Ressource, dass ihr Einsatz höchstes Augenmaß erfordert. Um diesem Ziel in Zukunft noch besser nachkommen zu können, installierte die Hygienekommission des Uniklinikums Würzburg in diesem Sommer unter dem Namen "Antimicrobial Stewardship AMS" eine neue, interdisziplinäre Expertengruppe.

Antiinfektiva sind Medikamente, die gegen von Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten hervorgerufene Infektionen arbeiten. Durch die Problematik der zunehmenden Resistenzen sind in den letzten Jahren speziell die Antibiotika in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. "Antiinfektiva werden nicht nur in niedergelassenen Arztpraxen, sondern auch in den Krankenhäusern Deutschlands oft zu häufig und zu unkritisch eingesetzt", weiß Prof. Andrew Ullmann, einer der beiden Leiter des Schwerpunkts Klinische Infektiologie der Medizinischen Klinik II am Uniklinikum Würzburg (UKW). Prof. Ulrich Vogel, der Leiter der Stabstelle Krankenhaushygiene des UKW, ergänzt: "Die Schere zwischen der steigenden Anzahl an resistenten Erregern und zu wenigen neuen Medikamenten geht immer weiter auseinander. Um in diesem Wettlauf mithalten zu können, müssen wir die vorhandenen Ressourcen an Antiinfektiva möglichst intelligent einsetzen auch mit Blick auf zukünftige Generationen."

Vor diesem Hintergrund wurde Anfang Juli dieses Jahres unter dem Dach der Hygienekommission des Würzburg Uniklinikums eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe etabliert, in der Infektiologen, Mikrobiologen, Krankenhaushygieniker und Pharmazeuten ihre infektionsmedizinischen Kompetenzen zusammenführen. Unter dem Titel "Antimicrobial Stewardship", kurz AMS, geht es den Experten darum, den Verbrauch an Antiinfektiva auf den Stationen des UKW zu analysieren, zu interpretieren und bei Abweichungen zu intervenieren. "Damit kommen wir auch den aktuellen gesetzlichen Forderungen nach. So verlangt das Infektionsschutzgesetz seit einer Änderung im Jahr 2011 zum Beispiel die Erfassung der Anwendungsdichte von Antiinfektiva in medizinischen Einrichtungen", berichtet Vogel.

Strategisches Ziel der AMS-Arbeitsgruppe ist es, die Qualität der Antiinfektivabehandlung bezüglich Auswahl, Dosierung, Applikation und Anwendungsdauer zu sichern oder wo erforderlich zu verbessern. Im Mittelpunkt steht dabei, für jeden Patienten das beste klinische Behandlungsergebnis bei gleichzeitig minimaler Toxizität zu erreichen.

Folgende Maßnahmen wurden bereits oder werden in naher Zukunft dazu am Uniklinikum Würzburg umgesetzt:

• Bei speziellen Visiten am Krankenbett bewerten Infektionsmediziner die jeweils gewählte Antibiotikatherapie.
• Seit über einem Jahr gibt es für Intensivstationen bereits ein Infektionsmedizinisches Board. Dieses Beratungsgremium, das die patientenspezifisch bestmögliche Infektionsbehandlung ermittelt, soll jetzt auch auf andere Stationen ausgeweitet werden.
• Die Antibiotikaschulung der UKW-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter soll intensiviert werden.
• Um die Strategien des Antimicrobial Stewardship weiterzuverbreiten, bietet Prof. Ullmann bereits jetzt von Krankenhäusern aus ganz Deutschland genutzte AMS-Kurse der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) an.
• Die bislang in gedruckter Form vorliegenden Standards in der Antibiotikatherapie des UKW werden derzeit in einer Internetplattform zusammengefasst und dabei umfassend aktualisiert.
• Um die personelle Leistungsfähigkeit der AMS-Arbeitsgruppe zu erhöhen, wurde eine neue, der Hygienekommission angegliederte Stelle geschaffen, die seit 1. Juli dieses Jahres mit der Internistin und Infektiologin Dr. Güzin Surat besetzt ist.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Würzburg

Mehr zum Universitätsklinikum Würzburg unter: www.ukw.de/aktuelles.html