Nirgendwo auf der Welt hat der durchschnittliche Arzt eine 35-Stunden-Woche. Die meisten Herren und Damen in Weiß arbeiten 50 Stunden und mehr, auch in Deutschland. Schon lange wird dies bemängelt. Es heißt, dass überarbeitete Ärzte mehr Fehler machen. Allerdings gibt es auch gegenteilig Stimmen: Demnach sollen lange Arbeitszeiten die Übergabe der Daten von Arzt zu Arzt verbessern und dadurch dem Patienten nützen. Was sagen die nackten Zahlen? Das fragten sich jetzt US-Wissenschaftler. Die USA sind für eine solche Studie gut geeignet, denn dort sind die Arbeitszeiten für Ärzte mit Wirkung vom 1. Juli 2003 vom „Accreditation Council for Graduate Medical Education (ACGME)“ beschränkt worden.

In dieser Beobachtungsstudie analysierten die Wissenschaftler die Daten von 318.636 Patienten, die zwischen dem 1. Juli 2000 und dem 30. Juni 2005 in 131 Akutkrankenhäusern der USA behandelt wurden. Die wichtigsten Diagnosen waren akuter Myokadinfarkt, Herzinsuffizienz, gastrointestinale Blutungen, Schlaganfälle oder chirurgische und orthopädische Diagnosen. Die Studienleiter interessierten sich dabei insbesondere für die Mortalität der Patienten innerhalb von 30 Tagen nach Aufnahme in das Krankenhaus.

Die Reform der Arbeitszeiten für Ärzte hatte demnach keinerlei positiven Einfluss auf die Mortalität der Patienten: Weder in den chirurgischen noch den nicht-operativen Fächern änderte sich die Sterberate durch besser ausgeschlafene Ärzte innerhalb des ersten Jahres nach der Begrenzung der Arbeitszeiten. Lediglich in der Feinanalyse zeigten sich dann doch noch statistisch signifikante Unterschiede: Offenbar sank die Mortalität von nicht-operativ behandelten Patienten in Ausbildungskrankenhäusern im zweiten Jahr nach der Arbeitszeitreform deutlich.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the American Medical Association 2007, Vol. 298, S. 975–983