Ari Helenius ist Professor für Biochemie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich). Der Marcel-Benoist-Preis zeichnet seit 1920 jedes Jahr in der Schweiz etablierte Wissenschaftler für ihre bedeutenden Arbeiten und deren Auswirkung auf das menschliche Leben aus.

Warum bekommen wir eine Erkältung? Wie schaffen es Viren überhaupt in unsere Zellen? Ari Helenius und sein Team sind diesen zentralen Fragen nachgegangen und haben in diesem Bereich Pionierarbeit geleistet.

Viren sind Parasiten, die zu ihrer Vermehrung auf lebende Zellen angewiesen sind. Die Membran, die jede Zelle umhüllt, bildet eine wirkungsvolle Barriere gegen den Zustrom unerwünschter Substanzen. Die Vermutung lag nahe, dass die Viren durch bloßes Fusionieren mit der Zellmembran - ähnlich wie zwei aufeinanderstoßende Seifenblassen - in die Zelle eindringen.

Helenius fand heraus, dass Viren durch einen zellulären Mechanismus ins Innere des Zytoplasmas transportiert werden, wo ein tiefer pH-Wert das Eindringen in den Zytosol und schließlich in den Zellkern begünstigt. Davon ausgehend entdeckte Helenius das sogenannte Endosom, ein intrazellulär gebildetes Membranbläschen, das ein saures Milieu aufweist und so erst die Verbindung von Virus und Zellmembran ermöglicht.

Die große Bedeutung von Helenius Forschung für die medizinische Praxis steht außer Zweifel, findet sich doch unter den Viren, die via Endosom in die Zelle eindringen beispielsweise das Grippe- oder das Tollwutvirus. Der Nachweis, dass es ein System der Qualitätskontrolle gibt, führte zudem zu der Erkenntnis, dass Defekte bei diesen Mechanismen die Ursache gewisser Krankheiten sind. Dazu gehören zum Beispiel gewisse Formen von Diabetes und die zystische Fibrose, eine bei Europäerinnen und Europäern relativ häufig auftretende schwere Erbkrankheit.

MEDICA.de; Quelle: Eidgenössische Technische Hochschule Zürich