Aspirin (Acetylsalicylsäure) halbiert das Krebserkrankungsrisiko

Foto: Tabletten auf der Hand

In den vergangenen 20 Jahren
summierten sich die Nachweise
der Vorzüge einer Aspirineinnahme,
aber diese neuesten Ergebnisse
zeigen erstmalig den
beeindruckenden vorbeugenden
Effekt der Substanz;
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In den vergangenen 20 Jahren summierten sich die Nachweise der Vorzüge einer Aspirineinnahme, aber diese neuesten Ergebnisse zeigen erstmalig im Rahmen einer randomisierten und kontrollierten Studie den beeindruckenden vorbeugenden Effekt der Substanz. Die Studie wurde von Professor John Burn von der Newcastle University geführt unter Einschluss zahlreicher Länder, wobei Deutschland eine große Anzahl von Patienten über die nationale Projektkoordinatorin Professor Gabriela Möslein einbrachte.

Immer wieder und erstmalig 1999 erwiesen verschiedene Studien, dass es nach einer Aspirineinnahme zu einer 28-prozentigen Reduktion der Sterblichkeit durch Dickdarmkrebs kommt. Interessanterweise zeigte sich darüber hinaus eine 12-prozentige Reduktion aller Krebserkrankungen und eine 25-prozentige Verringerung der Gesamtsterblichkeit. Das Problem dieser Kohortenstudien ist eine unterschiedliche Dosierung der eingenommenen Substanz mit unterschiedlichen Intervallen über einen unterschiedlich langen Zeitraum. Das fehlende Puzzelstück liegt jetzt vor mit dieser einzigartigen Studie in einer Patientengruppe mit einer erblich nachgewiesenen Veranlagung und mit dem spezifischen Studienendpunkt des Effekts auf das Auftreten von Darmkrebs und anderen assoziierten Krebserkrankungen.

Burn: „Was wir endlich zeigen konnten ist, dass Acetylsalicylsäure einen wesentlichen vorbeugenden Effekt auf Krebserkrankungen hat, wobei dieser Effekt erst nach Jahren apparent wird.“ In die Studie wurden Patienten mit einem Lynch-Syndrom - eine erbliche genetische Disposition, die Gene schädigt, die für die Reparatur der DNA verantwortlich sind - eingeschlossen. Ungefähr die Hälfte der Menschen mit dieser Veranlagung entwickeln Krebserkrankungen, vor allem im Dickdarm und in der Gebärmutter, aber auch in Magen, Dünndarm, ableitende Harnwege, Haut.

Zwischen 1999 und 2005 begannen insgesamt 861 Personen mit einer Aspirineinnahme (600 mg) täglich für 2 Jahre oder die entsprechende Einnahme mit einem Placebo. Nach dem Behandlungszeitraum in 2007 konnte kein Unterschied zwischen den Personen, die Aspirin eingenommen hatten und denen, die das Placebo eingenommen hatten festgestellt werden. Da aufgrund vorliegender Daten zu dem Langzeiteffekt von Aspirin bereits teilweise Daten vorlagen, wurde auf der Hypothese, dass eine längere Einnahme erforderlich ist, ein verlängertes Follow-up für interessierte Patienten ermöglicht.

Bis 2010 wurden 19 neu aufgetretene Dickdarmkarzinome in der Aspiringruppe festgestellt und 34 in der Placebogruppe. Das Erkrankungsrisiko wurde also in der Aspiringruppe insgesamt halbiert und somit wurde ein signifikant deutlicher Wirkungseffekt sichtbar. Analysiert man alle Krebserkrankungen, die mit dem Lynch-Syndrom in Zusammenhang gebracht werden (Gebärmutter, Magen, Haut, Blase, ableitende Harnwege, Dünndarm), entwickelten ungefähr 30 Prozent der Patienten unter Placebo eine Krebserkrankung im Vergleich zu rund 15 Prozent in der Aspiringruppe.

„Überraschend zu sehen war die Tatsache, dass die Vorstufe von Darmkrebs, nämlich die Polypen, die als Vorläufer von Darmkrebs gelten, nicht beeinflusst wurden. Also bei gleichbleibender Anzahl von Polypen entwickelten Personen aus der Aspiringruppe weniger Krebs“, sagt Professor Tim Bishops von der Leads University, dessen Team für die statistische Analyse verantwortlich war. „Dieser günstige Effekt Jahre später erklärt die Ergebnisse der vielen Beobachtungsstudien – vorhergehende randomisierte Studien zu Aspirin wurden nicht lang genug durchgeführt“, meint er.

MEDICA.de; Quelle: CaPP3 Cancer Prevention Programme