Seit mehr als 70 Jahren diskutieren die Experten darüber, ob das Stillen vor Allergien und Asthma schützen kann. Positive Studienbefunde gibt es für das atopische Ekzem während der Kindheit. Bei anderen atopischen Erkrankungen und beim Asthma dagegen waren die Daten weit weniger eindeutig. Während einige Studien darauf hindeuten, dass längeres und alleiniges Stillen tatsächlich vor Asthma und Allergien schützen könnte, fanden andere Untersuchungen keinerlei Hinweise darauf.

Nun haben sich Wissenschaftler wiederum an diese Frage gewagt. 17.046 Mütter mit ihren Säuglingen aus Belarus nahmen an dieser Untersuchung teil. 13.889 dieser Paare (81,5 Prozent) konnten nachverfolgt werden, bis das Kind sechseinhalb Jahre alt war. Alle Frauen wurden nach den Standards der WHO und UNICEF im Bruststillen unterrichtet und man verdeutlichte ihnen die Vorteile des Stillens.

Erster positiver Befund der Studie: Mit Hilfe der WHO/UNICEF-Standards kann man zahlreiche Frauen dazu bewegen, zu stillen: 44,3 Prozent der Frauen stillten drei Monate nach der Geburt noch ausschließlich mit der Brust. Vor der Studie waren es nur 6,4 Prozent gewesen (p kleiner 0.001). Auch der Prozentsatz jener Frauen, die überhaupt irgendwann innerhalb der ersten zwölf Lebensmonate ihr Kind stillten, war angestiegen.

Es gibt aber auch eine schlechte Nachricht: In der Gruppe jener Frauen, die mit der Brust stillten, gab es praktisch ebenso viele Kinder, die bis zum Alter von sechseinhalb Jahren an Allergien oder Asthma litten wie in der Kontrollgruppe jener Frauen, die nie gestillt hatten.

Dieses Ergebnis ist aber im Übereinklang mit anderen Beobachtungen. So hat die Rate von Allergien und Asthma in vielen Ländern in den vergangenen Jahrzehnten drastisch zugenommen. Zugleich stillen aber auch immer mehr Frauen ihre Kinder ausschließlich mit der Brust und über einen längeren Zeitraum. Wenn Ärzte das Bruststillen propagieren, können sie also die Rate von Asthma- und allergischen Erkrankungen nicht senken.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2007, Vol. 335, S. 815