Atemmuskelstimulation bei ALS

Foto: Ansicht der Charite

Neues Verfahren an Charité
erprobt; © Pixelio.de

ALS ist unheilbar, aber die neuartige Operation aus den USA könnte den Patienten ein längeres Überleben ermöglichen. Der Schrittmacher soll das Zwerchfell stimulieren und so dem fortschreitenden Muskelschwund des Organs entgegenwirken.

Dadurch wird Luft in die Lungen eingesogen. ALS lähmt das Zwerchfell und führt zu einer lebensbedrohlichen Atemminderung. Der Schrittmacher reduziert die ALS-bedingte Atmungsschwäche, so dass Patienten länger ohne künstliche Beatmung leben können.

Der Zwerchfellschrittmacher wird in einem minimal-invasiven Verfahren eingesetzt. Dabei befestigen die Operateure vier Elektroden an der Unterseite des Zwerchfells. Die Kabel der Elektroden werden durch die Bauchwand nach außen geführt und dort mit einem elektronischen Stimulationsgerät verbunden. Dieses sendet Impulse an die Elektroden im Zwerchfell, wodurch sich der Muskel zusammenzieht. Die Stimulation regt die Muskelaktivität an und verzögert so die Lähmung des Zwerchfells.

Während der Operationen stand der Entwickler der Methode, Dr. Raymon Onders von der Universitätsklinik Cleveland (USA), den Charité-Chirurgen Dr. Sven-Christian Schmidt und Dr. Robert Eisele beratend zur Seite. Beide Eingriffe verliefen komplikationslos. Nach der Operation werden die Patienten jetzt ambulant weiter behandelt. Zehn Tage nach dem Eingriff wird der Schrittmacher in der ALS-Ambulanz eingestellt und aktiviert. Die Patienten führen die Stimulationen dann selbst zu Hause durch: Viermal täglich trainieren sie jeweils eine halbe Stunde das Zwerchfell.

"Momentan handelt es sich um ein experimentelles Verfahren. Noch gibt es keine Studien, die die therapeutische Wirksamkeit der direkten Stimulation des Zwerchfells bei ALS-Patienten belegen", erklärt Prof. Thomas Meyer, der Leiter der ALS-Ambulanz. Bislang haben US- amerikanische Chirurgen bei 50 Patienten den Zwerchfellschrittmacher eingesetzt und damit erste positive Ergebnisse erzielt.

MEDICA.de; Quelle: Charité-Universitätsmedizin Berlin