Intensivmedizinische Therapien wie Bluttransfusionen oder die Ventilationstherapie können Leben retten, sie sind aber nicht ohne Risiko. Bei schwer kranken Patienten kann sich zum Beispiel ein akuter Lungenschaden entwickeln (acute lung injury: ALI). Ein solcher ALI entwickelt sich meist innerhalb von sechs Stunden nach der Transfusion von Blutprodukten. Eine Arbeitsgruppe um Dr. Ognjen Gajic vom Mayo Clinic College of Medicine, Rochester, Minnesota in den USA, hat jetzt untersucht, ob bestimmte Faktoren zum Risiko eines solchen Lungenschadens beitragen.

Die Daten von 901 Patienten flossen in diese Studie mit ein. Alle waren auf eine Intensivstation aufgenommen worden und erhielten eine Bluttransfusion. Bei 74 (acht Prozent) dieser Patienten entwickelte sich ein akuter Lungenschaden innerhalb von sechs Stunden.

Offenbar, so das Ergebnis dieser Studie, sind besonders jene Patienten gefährdet, die eine Sepsis haben, Lebererkrankungen und anamnestischen Alkoholmissbrauch. Besonders gefährdet waren erstaunlicherweise auch jene Patienten, die Blutprodukte von weiblichen Blutspenderinnen erhielten sowie größere Mengen Blutplasma von Frauen.

Es gibt noch weitere Faktoren von Blutspendern, die das Risiko eines ALI erhöhen: zum Beispiel, wenn die Blutspenderin mehrfach Kinder geboren hat oder positiv auf Anti-Leukozyten-Antikörper getestet wird.

Die IL-8-Konzentration der Blutprodukte sowie die Zeitdauer der Lagerung hat offenbar keinen Einfluss auf das Risiko eines ALI, wohl aber die Konzentration von Lysophosphatidylcholin im Blutprodukt: Mit steigender Konzentration steigt das Risiko einer ALI.

Ein akuter Lungenschaden als Folge einer intensivmedizinischen Behandlung ist keine leichte Angelegenheit: 41 Prozent dieser Patienten starben in der vorliegenden Studie im Vergleich zu 23 Prozent aus der Kontrollgruppe ohne ALI.

MEDICA.de; Quelle: American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine 2007, Vol. 176, S. 886-891