Ob es sicher ist, bei einem ischämischen Insult in der Schwangerschaft thrombolytisch zu behandeln, ist bislang kaum untersucht worden. Das hängt natürlich damit zusammen, dass schwangere Frauen meist jünger sind und in diesem Alter nur selten Schlaganfälle auftreten. In einer früheren Studie wurde errechnet, dass bei 100.000 Geburten ein ischämischer Insult nur in 32 Fällen auftritt.

Wissenschaftler um Dr. Steven R. Levine von der The Mount Sinai School of Medicine in New York, USA, haben dies jetzt näher untersucht. Sie berichten über ihre Erfahrung mit acht schwangeren Frauen, die wegen eines ischämischen Insults thrombolytisch behandelt wurden. Die betroffenen Frauen waren zwischen 21 und 43 Jahren alt und die meisten befanden sich im ersten Trimester ihrer Schwangerschaft, als sie der Schlaganfall traf. Die Ätiologie der Schlaganfälle war ganz unterschiedlich: Embolie nach operativem Mitralklappenersatz, verminderte Aktivität des Protein S und bakterielle Endokarditis. Am häufigsten waren die mittleren Zerebralarterien betroffen.

Vier der Patientinnen wurden mit rt-PA behandelt, in der Regel intravenös. In vier weiteren Fällen erhielten die Schwangeren Urokinase. Während das rt-PA innerhalb von drei Stunden nach dem Schlaganfall verabreicht wurde, applizierte man die Urokinase erstmals zwischen sechs Stunden und zwei Wochen nach dem Schlaganfall.

Eine der Frauen starb an einer arteriellen Dissektion nach Angioplastie. Bei den anderen sieben Betroffenen dagegen blieb die Therapie ohne Komplikationen. Kleinere unerwünschte Nebenwirkungen waren Hämatome und Hämorrhagien.

Von den sieben überlebenden Frauen ließen drei eine Abtreibung vornehmen, zwei hatten Fehlgeburten und zwei weitere wurden Mutter eines gesunden Kindes.

MEDICA.de; Quelle: Neurology 2006, Vol. 66, S. 768-770