Es ist eines der letzten Tabuthemen: Sex im Alter. In den USA haben Wissenschaftler jetzt 1.550 Frauen und 1.455 Männer im Alter zwischen 57 und 85 Jahren zu ihrem sexuellen Verhalten befragt.

Einige Ergebnisse:

Die Prävalenz der sexuellen Aktivität sinkt mit dem Alter. Im Alter zwischen 57 und 64 Jahren hatten 73 Prozent aller befragten Männer zumindest einmal Sex im vergangenen Jahr, zwischen 65 und 74 waren es dagegen nur noch 53 Prozent. Immerhin noch 26 Prozent der Männer waren zwischen dem 75. und 85 Lebensjahr aktiv. Insgesamt sind Frauen weniger sexuell aktiv als Männer. Vielleicht liegt das auch daran, dass mit zunehmendem Alter immer weniger Frauen in einer Ehe beziehungsweise festen Partnerschaft leben als Männer. Außerdem bezeichneten mehr Frauen als Männer (35 Prozent versus 14 Prozent) Sex als nicht so wichtig.

Wenn sich Menschen im sechsten und siebten Lebensjahrzehnt der körperlichen Liebe hingeben, dann entspricht dies weitgehend den Gepflogenheiten jüngerer Paare. In den 80er Lebensjahren dagegen ändert sich die sexuelle Tätigkeit deutlich. Zum einen sinkt die Zahl der Menschen, die in einer festen Partnerschaft leben. Zum anderen lässt die sexuelle Aktivität dann allgemein nach. In praktisch jedem Lebensjahrzehnt über 50 sind Männer insgesamt sexuell aktiver als Frauen, und zwar unabhängig vom Gesundheitszustand.

Von jenen Senioren, die sexuell aktiv waren, berichteten in der Studie 50 Prozent über mindestens ein gesundheitliches Problem, das sie beim Sex einschränkte. Die Gesundheit hatte einen größeren Einfluss auf die Häufigkeit der sexuellen Aktivität als das Alter. 37 Prozent der Männer berichteten über Erektionsstörungen. Die häufigste sexuelle Störung bei älteren Frauen ist die sexuelle Lustlosigkeit (43 Prozent), eine trockene Vagina (39 Prozent) und Orgasmusschwierigkeiten (34 Prozent).

MEDICA.de; Quelle: New England Journal of Medicine 2007, Vol. 357, S. 762-774, 820-821