Übergewicht ist in vielen Ländern der Erde inzwischen zu einer Epidemie geworden. Gerade in den USA ist man meilenweit von den Zielen „Healthy People 2010“ entfernt, in denen Wissenschaftler definiert hatten, im Jahre 2010 sollten höchstens 15 Prozent der US-Amerikaner an Übergewicht leiden und weniger als fünf Prozent der Kinder. Es gibt zahlreiche Leitlinien medizinischer Fachgesellschaften gegen Übergewicht. Viele beziehen sich aber eher auf medizinische und ärztliche Interventionen und lassen oft genug das soziale Umfeld der Betroffenen außen vor.

Vor diesem Hintergrund hat nun die „American Heart Association (AHA)“ unter Leitung von Dr. Shiriki K. Kumanyika ihre Leitlinien zum Übergewicht überarbeitet und dabei gerade die sozialen und lokalpolitischen Aspekte des Übergewichts betont. Dieses Statement unter dem Titel "Population-based prevention of obesity", also: gesellschaftlich bedingte Übergewichts-Prävention, sagt unter anderem, dass der architektonische und gesellschaftliche Aufbau einer Umgebung oder einer Wohnsituation das Risiko des Übergewichts beeinflusst. So sollten Präventionsprogramme zur Verhinderung von Übergewicht auf bestimmte Hochrisiko-Bevölkerungsgruppen fokussiert werden, die dann aber mit spezifischen Motivationsprogrammen angesprochen werden müssen.

Supermärkt können ein Ort sein, um Übergewicht zu bekämpfen, schreibt die Leitlinie weiter, indem dort nämlich gesunde Produkte beworben werden. Auch Schulkantinen sind ein „Angriffsort“ der neuen Leitlinie. Gezielt sollten die Verantwortlichen darauf achten, dass in Schulkantinen, aber auch in den Selbstbedienungs-Snackmaschinen nur Gesundes zum Verkauf angeboten wird. Die Leitlinie geht sogar noch weiter: Ungesunde Snacks sollten stärker besteuert, gesunde Früchte dagegen weitgehend von Mehrwertsteuern befreit werden, um entsprechende Kaufanreize zu bieten.

MEDICA.de; Quelle: Ciculation 2008; DOI:10.1161/CIRCULATIONAHA.108.189702