Auch die Seele behandeln

Das ewige Leid mit den Knochen
kommt auch aus dem Kopf
© Hemera

Bei der Entwicklung chronischer Rückenschmerzen spielen psychische Aspekte, zum Beispiel eine Neigung zur Depression oder Angst vor Bewegung und körperlicher Aktivität eine wichtige Rolle. Patienten sollte deshalb eine Behandlung angeboten werden, die bereits frühzeitig auch psychologische Aspekte berücksichtigt.

In einer Studie wurden nun insgesamt 64 Patienten behandelt, die erstmals wegen starker Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule drei bis zwölf Wochen lang krank geschrieben waren. Die Teilnehmer der Studie wurden drei Wochen lang entweder mit medizinischer Standardtherapie - Krankengymnastik, Bewegungstherapie im Wasser, Muskeltraining, Rückenschule und Massagen - behandelt. Die Hälfte der Patienten erhielt statt Wassertherapie psychotherapeutische Behandlung, dreimal in der Woche, allein und in der Gruppe, und viermal in der Woche Entspannungsübungen. Beiden Gruppen wurden weder Medikamente noch Spritzen oder Chirotherapie verabreicht. Die Patienten wurden nach drei Wochen entlassen und weiter von ihrem Hausarzt oder Orthopäden betreut.

Die Schmerzintensität bei der Entlassung hatte in beiden Gruppen erheblich abgenommen. Bei einer zweiten Untersuchung nach sechs Monaten zeigte die mit Psychotherapie behandelte Gruppe noch weniger Schmerzen, während die konventionell behandelte wieder in den Zustand vor der Behandlung zurückgefallen war. Auch die Beweglichkeit hatte sich nur bei der Psychotherapie-Gruppe langfristig verbessert; dies galt auch für die Neigung zur Depression. Besonders eindrucksvoll war der Unterschied bei der Krankschreibung innerhalb der folgenden zwei Jahre nach Therapieende: Während nur zwei der mit Standardtherapie behandelten Patienten nicht mehr krank geschrieben wurden, waren es in der Psychotherapie-Gruppe 13.

MEDICA.de; Quelle: European Spine Journal 2006, Vol. 26, S. 1-10