Im allgemeinen taugen Organe von Spendern über 60 Jahre nicht so gut für eine Transplantation wie Organe von jüngeren Organspendern. Wissenschaftler vom Mario Negri-Institut für Pharmakologische Forschung aus Bergamo, Italien, haben 62 Patienten untersucht, denen histologisch untersuchte Nieren von Organspendern über 60 Jahre implantiert worden waren. 248 Patienten, allesamt Nierenempfänger, waren in einer Kontrollgruppe. Die Nieren dieser Patienten waren vor der Implantation histologisch nicht untersucht worden. Sie kamen von jungen wie auch älteren Nierenspendern.

Bei der histologischen Untersuchung wurden die Nierenproben unter anderem nach Veränderungen in den Glomeruli oder Gefäßen untersucht. Auch das Bindegewebe sahen sich die Histologen genau an. Je nach Beschaffenheit vergaben die Pathologen Punktzahlen zwischen null und zwölf. Nieren mit einem Wert zwischen null und drei wurden einfach verpflanzt. Punktzahlen zwischen vier und sechs wurden zur dualen Transplantation vorgemerkt. Bei Punktzahlen über sieben verwarf man die Organe.

Während eines Nachbeobachtungszeitraums von durchschnittlich 23 Monaten wurden sechs Prozent derjenigen Transplantatempfänger, deren histologisch untersuchte Nieren von älteren Spendern über 60 Jahre gekommen waren, dialysepflichtig. Unter denjenigen, deren Nieren von jüngeren Spendern kamen, wurden sieben Prozent dialysepflichtig. Schwieriger wurde es bei nicht untersuchten Nieren älterer Spender. In 23 Prozent dieser Fälle landeten die Patienten binnen 23 Monaten an der Dialyse. Wenn die Niere von einem älteren Spender kommt und untersucht wird senkt dies das Risiko eines Transplantationsversagen um das 3,68-fache im Vergleich zur Verwendung einer nicht untersuchten Niere.

MEDICA.de; Quelle: New England Journal of Medicine 2006, Vol. 354, S. 343-352, 411-413