Nach der bisherigen Theorie sind im Nervensystem viele möglichst kurze Verbindungen zwischen Zellen am wirksamsten. Wissenschaftler von der Internationalen Universität Bremen und der britischen Universität Newcastle upon Tyne haben in einer neuen Studie nun herausgefunden, dass lange Verbindungen für eine effektive Gehirnfunktion teilweise sogar besser sind. Die Forscher konnten demonstrieren, dass längere Nervenfasern Informationen effizienter und zuverlässiger übertragen als viele kurze, hintereinandergeschaltete Fasern.

Marcus Kaiser, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Newcastle upon Tyne, erklärt das Prinzip: „Es ist wie beim Zugfahren. Mit einer Direktverbindung kommt man schneller an. Häufiges Umsteigen verlängert die Reise, und es besteht die Gefahr, einen Anschluss zu verpassen. Dasselbe gilt im Gehirn.“ Langfristig könnten diese Erkenntnisse es erleichtern, Erkrankungen wie Alzheimer oder Autismus zu diagnostizieren und zu behandeln. Gehirnscans von betroffenen Patienten zeigen nämlich einen deutlichen Mangel an weitreichenden funktionellen Interaktionen.

Für die Studie wurde der weltweit umfangreichste Datenbestand zur Länge von Nervenfasern und neuronalen Verbindungen im Primatengehirn und im Nervensystem eines Wurms unter die Lupe genommen. Die Forscher überprüften, wie weit sich die Gesamtlänge vorhandener Nervenverbindungen durch eine Reorganisation verringern ließe. Die Wissenschaftler entdeckten eine überraschend große Anzahl langer Nervenfasern, die um bis zu 50 Prozent verkürzt werden könnten. Damit wird unterstrichen, dass lange Nervenfasern eine wichtige Rolle spielen.

MEDICA.de; Quelle: International University Bremen