Die "Pille danach" als Notfallkontrazeption ist sowohl in ihrer Wirksamkeit als auch Sicherheit wissenschaftlich gut dokumentiert. Immer wieder gab es daher Bestrebungen wie in den USA, die "Pille danach" in Apotheken rezeptfrei an Frauen abzugeben. Dies hat heftige Kontroversen ausgelöste, die weniger wissenschaftlicher als politischer Natur waren. Befürworter der Freigabe argumentieren, damit ungewollte Schwangerschaften verhüten zu können. Die Gegner dagegen glauben, dass die freie Verfügbarkeit der "Pille danach" Promiskuität fördern und den Einsatz anderer Verhütungsmittel zurück drängen könnte.

In diese hitzige Debatte, die zur Zeit in den USA geführt wird, platzen nun die Daten einer britischen Studie, in der untersucht wurde, inwiefern die rezeptfreie Verfügbarkeit der "Pille danach" das Sexualverhalten von Frauen verändert.

Seit Januar ist diese Notfallkontrazeption in Großbritannien für Frauen ab 16 Jahren rezeptfrei erhältlich. In den Jahren 2000 – also vor der Freigabe – und 2001 sowie 2002 wurden jeweils 7.600 Erwachsenen zu ihrem Sexualverhalten befragt. Wie sich zeigte, änderte sich der Einsatz der verschiedenen Verhütungsmethoden zwischen 2000 und 2002 nicht signifikant. Hatten 2000 8,4 Prozent der befragten Frauen schon einmal die "Pille danach" eingenommen, so waren es 2001 sogar nur 7,9 Prozent und 2002 7,1 Prozent. Auch die Raten ungeschützten Geschlechtsverkehrs blieben unverändert.

Die einzige signifikante Veränderung, die sich ergab, war eine logistische: Vor der Aufhebung der Rezeptpflicht hatten sich praktisch alle Verwenderinnen die "Pille danach" verschreiben lassen, nach der Freigabe holten sich die meisten diesen Wirkstoff selbstständig und auf eigene Kosten aus der Apotheke.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2005, Vol. 331, S. 271