Bei der Genese und Aufrechterhaltung der Alkoholabhängigkeit spielt das dopaminerge Rezeptorsystem eine wesentliche Rolle. In Tierexperimenten führen sowohl Dopaminagonisten als auch Dopaminantagonisten zu einer Abnahme des Alkoholkonsums. Der Dopamin-D2/D3-Rezeptor-Antagonist Tiaprid wird erfolgreich bei der Alkoholentzugsbehandlung eingesetzt, und es gibt erste Studien, die für seine Wirksamkeit auch bei der Rückfallprophylaxe sprechen. Vor diesem Hintergrund haben Wissenschaftler in einer großen kontrollierten Studie die Wirksamkeit von Tiaprid in der Postentzugsbehandlung der Alkoholabhängigkeit untersucht und ihre Ergebnisse jetzt beim Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) vorgestellt.

In einer multizentrischen, randomisierten, doppelblinden Parallelgruppen-Untersuchung wurden 299 Patienten mit Alkoholabhängigkeit nach Entzugsbehandlung über 24 Wochen drei Mal täglich mit 100 Milligramm Tiaprid oder Placebo behandelt. Das primäre Outcome-Kriterium war die Zeit bis zum ersten Rückfall, wobei auch die Einnahme geringster Alkoholmengen als Rückfall gewertet wurde.

Es fand sich keine Überlegenheit von Tiaprid gegenüber Placebo: Die Zeit bis zum ersten Rückfall betrug 71 Tage in der Tiaprid-Gruppe und 92 Tage in der Placebo-Gruppe (p gleich 0,9895). Die Rückfallrate war unter Tiaprid sogar höher (54,4 Prozent) als unter Placebo (40,7 Prozent).

Das Ergebnis dieser Studie passt zu dem Befunde, dass der Dopaminantagonist Flupenthixol in der Rückfallprophylaxe der Alkoholabhängigkeit ebenfalls nicht wirksam ist. In Anbetracht der hohen Erfolgsrate auch in der Placebo-Gruppe sollte in Zukunft bei Studien zur medikamentösen Rückfallprophylaxe der Einfluss der psychosozialen Therapie mehr als bisher berücksichtigt werden.

MEDICA.de; Quelle: Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) Poster P-006-11