Picture: Woman´s hair 
Wer an der Uniklinik Leipzig
Haare lassen muss, bekommt
dafür neue Haut; © SXC

Inzwischen kamen an der Uni-Hautklinik Leipzig bereits über 20 Patienten in den Genuss dieser Neuentwicklung. Bislang gab es für Menschen mit großflächigen Verbrennungen oder chronischen Wunden nur eine Möglichkeit: An einer anderen Stelle ihres Körpers wurden Hautstücke entnommen und dann auf die Wunde verpflanzt. "Mit dieser Hauttransplantation lässt sich jedoch nicht verhindern, dass neue Verletzungen erzeugt werden", erläutert Professor Jan C. Simon, Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universität Leipzig die Nachteile des herkömmlichen Weges.

"Wir haben also einen Ansatz gesucht, bei dem die gesunde Haut nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Künstliches Material oder gar Spenderhaut kamen durch die Immunabstoßung nicht in Frage. Also dachten wir über den Einsatz von adulten Stammzellen nach, also erwachsene Stammzellen des jeweiligen Patienten." Stammzellen sind Körperzellen, deren Rolle im menschlichen Organismus nicht von vornherein festegelegt ist. Beinahe Alleskönner.

"Als nächstes zogen wir in Erwägung, diese Stammzellen aus Zellen zu gewinnen, die nicht durch Eingriffe aus dem Körperinneren geholt werden müssen. Damit begann die Forschung an den Haarwurzeln“, so Simon. Den Forschern ist es gelungen, durch eine Auftrennung der Haarwurzeln jene Nische zu finden, in der Stammzellen heranwachsen. Diese Stammzellen wurden isoliert, in eine Lösung gelegt und durch Nährstoffe und Botenstoffe so beeinflusst, dass Haut aus ihnen entsteht. Innerhalb von zwei bis drei Wochen wuchs solch eine Zelle zu einer Epidermis-Fläche - also Stücke der oberen Hautschicht - so groß wie ein Cent.

Das Opfer, das die Betroffenen dafür bringen mussten, war lediglich, dass ihnen 40 bis 50 Kopfhaare ausgerissen wurden, eine Aktion, die mit der herkömmlichen Gewinnung von adulten Stammzellen nicht vergleichbar ist. Aus 50 Haaren lassen sich rund 10 Quadratzentimeter Haut herstellen.

MEDICA.de; Quelle: Universität Leipzig