Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig untersuchten Mäuse, die zu einem genetisch veränderten Stamm gehören und auf den Zellen ihrer Darmschleimhaut ein Molekül namens Hämagglutinin, kurz HA haben. Die Forscher verabreichten den Tieren Immunzellen aus dem Blut eines anderen Mäusestamms, der speziell gegen das HA gerichtete Immunzellen produziert. Die Folge: Die Immunzellen griffen die Darmoberfläche an und erzeugten ein dramatisches Krankheitsbild, wie man es ähnlich bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen findet.

Wenn man die beiden Mäusestämme kreuzt, zeigt sich jedoch Erstaunliches: "Die Nachkommen haben dann zwar sowohl das HA auf der Darmoberfläche als auch die speziell gegen HA gerichteten Immunzellen im Blut. Trotzdem bleiben sie gesund", sagt Dr.Astrid Westendorf, Forscherin am Helmholtz-Zentrum. Die Ursache dieses als "Immuntoleranz" bezeichneten Phänomens sind vermutlich die so genannten regulatorischen T-Zellen, kurz TREG - spezifische "Bremsen" des Immunsystems, die andere Abwehrzellen hemmen und lahm legen, bevor sie ihre Attacken zu weit treiben und damit im eigenen Körper Schaden anrichten. "Diese TREG müssen sich bei den Tieren im Lauf ihres Lebens entwickelt haben", sagt Dr Westendorf. Sie halten die Abwehrzellen, die meist dem Typ der CD4+ - oder CD8+-T-Zellen angehören, im Zaum, da diese sonst gegen einen ständig vorhandenen Bestandteil der eigenen Darmoberfläche vorgehen würden.

"Ein ständiges Wechselspiel zwischen aggressiven T-Zellen und hemmenden TREG erhält das immunologische Gleichgewicht an unserer Darmschleimhaut" erklärt Prof. Jan Buer, Arbeitsgruppenleiter am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Er hofft: "Ein besseres Verständnis dieser Prozesse könnte uns künftig Möglichkeiten eröffnen, die Reaktionen des Immunsystem gezielt anzuheizen oder zu dämpfen. Das könnte Behandlungsansätze für Autoimmunerkrankungen wie Morbus Crohn liefern, aber auch für Infektionen oder Tumore, bei denen man die Immunreaktion gezielt aktivieren müsste."

MEDICA.de; Quelle: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung