Ausbildung im Praktischen Jahr: Bundesweit leichter lernen

03.03.2015
Foto: Vier Männer halten Zertifikate hoch

v.l.n.r. Prof. Kroemer, Präsident MFT, Prof. Rettwitz-Volk, Bürgerhospital u. Clementine Kinderhospital, Prof. v. Knobelsdorff, ÄD St. Bernward Krankenhaus, Prof. Pfeilschifter, MFT-Präsidium; © Brunner

Bei der Wahl ihrer Ausbildungsstätte im Praktischen Jahr (PJ) haben es Medizinstudierende in Deutschland ab sofort leichter. Durch ein neu eingeführtes Zertifikat bietet der Medizinische Fakultätentag der Bundesrepublik Deutschland e.V. (MFT) den angehenden PJlern eine neutrale Orientierungshilfe.

Als erste Akademische Lehrkrankenhäuser haben nun das Bürgerhospital und das Clementine Kinderhospital in Frankfurt am Main sowie das St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim die Anforderungen des MFT erfüllt. Sie dürfen ab sofort das Siegel „Zertifiziertes Akademisches Lehrkrankenhaus“ tragen.

In einer Feierstunde in Frankfurt hat der Präsident des MFT, Prof. Dr. Heyo Kroemer, nun den Ärztlichen Direktoren und PJ-Beauftragten des Bürgerhospitals und des Clementine Kinderhospitals sowie des St. Bernward Krankenhauses die Zertifizierungsurkunden überreicht.

„Über die Auszeichnung freuen wir uns natürlich sehr“, stellt Prof. Dr. Georg von Knobelsdorff, Ärztlicher Direktor des St. Bernward Krankenhauses, fest. „Besonders das positive Echo der Medizinstudenten zeigt uns, dass wir bei der Ausbildung unserer jungen Ärzte auf dem richtigen Weg sind.“

Wolfgang Heyl, Geschäftsführer des Bürgerhospitals und des Clementine Kinderhospitals, ist stolz darauf, dass die praktische Ausbildung an seinen beiden Frankfurter Häusern überzeugen konnte: „Seit jeher liegt uns die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses besonders am Herzen. Unsere Chef- und Oberärzte engagieren sich beständig dafür, dass die PJler bei uns eine fundierte praktische Ausbildung erhalten. Sie versuchen, ihnen so viel von ihrem Wissen wie möglich mit auf den Weg zu geben.“ Das Bürgerhospital und das Clementine Kinderhospital sind Akademische Lehrkrankenhäuser der Goethe-Universität Frankfurt.

Das Praktische Jahr ist das sechste Studienjahr für angehende Ärztinnen und Ärzte. In seinem Mittelpunkt stehen die Ausbildung am Patienten in den beiden Pflichtfächern Chirurgie und Innere Medizin sowie in einem Wahlfach. Dabei sollen die Studierenden lernen, die zuvor erworbenen ärztlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten auf den einzelnen Krankheitsfall anzuwenden. Das Praktische Jahr bildet damit die entscheidende Schnittstelle zwischen dem Medizinstudium und der späteren eigenverantwortlichen Tätigkeit.

„Ziel unserer PJ-Ausbildung ist es, die angehenden Ärztinnen und Ärzte fit für die reale Arbeitswelt im Krankenhaus zu machen“, erklärt Prof. Dr. Karl Heinrich Scholz, PJ-Beauftragter am Hildesheimer St. Bernward Krankenhaus, das Akademisches Lehrkrankenhaus der Georg-August-Universität in Göttingen ist. Dies bedeute zum einen, dass die Studierenden ihre theoretischen Kenntnisse vertiefen und praktische Tätigkeiten wie die Diagnosestellung und die Erarbeitung und Umsetzung von individuellen Therapiekonzepten erlernen. „Andererseits sollen sich unsere PJ-Studierenden auch intensiv mit den ethischen Fragen ihrer Arbeit auseinandersetzen“, ergänzt Prof. Dr. Frithjof Tergau, stellvertretender PJ-Beauftragter am St. Bernward Krankenhaus. „Nicht zuletzt als christliches Haus sind uns Zuwendung und ein empathischer Umgang mit Patienten und Angehörigen besonders wichtig.“

Einen ähnlichen Ansatz verfolgen auch das Bürgerhospital und das Clementine Kinderhospital. „Neben dem reinen praktischen Können, ist es uns wichtig, den Studenten auch die menschliche Seite unseres Berufes nahezubringen“, erläutert der PJ-Beauftragte Prof. Dr. Werner Rettwitz Volk.

Bei der Zertifizierung überprüfen jeweils zwei unabhängige Gutachter anhand eines Selbstberichts und einer Begehung die Einhaltung von 24 Qualitätsstandards. Mit dem Gütesiegel bescheinigt der Zertifizierungsausschuss dem zertifizierten Akademischen Lehrkrankenhaus, dass die drei Ausbildungsdimensionen „Tätigkeiten am Patienten“, „Betreuung durch die ausbildenden Ärztinnen und Ärzte“ sowie „wissenschaftlich-didaktische Fundierung der Ausbildung“ konzeptionell und im Alltag der PJ-Studierenden in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.

„Die Zusammenarbeit mit den Gutachtern lief ausgesprochen gut und reibungslos“, berichtet von Knobelsdorff. „Der gegenseitige Austausch von Erfahrungen und Ausbildungszielen war für alle Beteiligten ein großer Gewinn.“ Ein Eindruck, den die Frankfurter Krankenhäuser nur bestätigen können.

Das MFT-Zert-Gütesiegel gibt Medizinstudierenden eine bundesweit sichtbare Orientierungshilfe bei der Auswahl ihrer Ausbildungseinrichtungen für das Praktische Jahr. Anlass zur Entwicklung war die Novellierung der Ärztlichen Approbationsordnung zum 01.01.2014. Medizinstudierende können seitdem ihr Praktisches Jahr bundesweit ableisten und sind nicht mehr wie bisher an die Universitätskliniken, Akademischen Lehrkrankenhäuser und Lehrpraxen ihrer Heimatfakultät gebunden.

Medizinischen Fakultäten und Landesprüfungsämtern erleichtert die Etablierung bundeseinheitlicher Mindeststandards die Beurteilung von PJ-Tertialen in fremden Akademischen Lehrkrankenhäusern, unterstützt die Qualitätskontrolle eigener Kooperationspartner und setzt Impulse zur Steigerung der Ausbildungsqualität. Akademischen Lehrkrankenhäusern bietet das MFT-Zert-Gütesiegel die Chance, ihr Engagement in der PJ-Ausbildung und damit ihr Haus bundesweit sichtbar zu machen.

„Eine qualitativ hochwertige Krankenversorgung benötigt hervorragend ausgebildete Ärztinnen und Ärzte. Die Zertifizierung der PJ-Ausbildung an der Schnittstelle zwischen Medizinstudium und ärztlicher Tätigkeit ist ein wichtiger Baustein einer nachhaltigen Qualitätssicherung des deutschen Gesundheitssystems.“ fasst Kroemer die Intention des Medizinischen Fakultätentages zusammen.

MEDICA.de; Quelle: MFT Medizinischer Fakultätentag der Bundesrepublik Deutschland e. V.