Ausdauertraining wirksamer als Schmerzmittel

Foto: Zwei Frauen laufen

Walking, zwei- bis dreimal in der
Woche passt zu einem Ausdauer-
training bei Fibromyalgie;
© Universitätsklinikum Heidelberg

Schmerzmittel zeigen dagegen wesentlich geringere Wirkung als früher angenommen und sind nur im begrenzten Umfang einzusetzen. Um zu ermitteln, welche Therapieformen sich bisher bewährt haben und von welchen abzuraten ist, haben Wissenschaftler und Ärzte des Universitätsklinikums Heidelberg und aus ganz Deutschland sämtliche verfügbaren Therapiestudien, die bestimmte hochrangige Qualitätskriterien erfüllen, ausgewertet und daraus ihre Behandlungsempfehlungen abgeleitet: Die überarbeitete und in deutscher und englischer Version aktuell erschienene Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Medizinischer Fachgesellschaften bietet behandelnden Ärzten und Betroffenen eine Orientierungshilfe im schwer zu überschauenden Angebot möglicher Therapien.

Das sogenannte Fibromyalgiesyndrom ist eine chronische Schmerzerkrankung des Bewegungssystems. In den Industrienationen leiden rund vier Prozent der Bevölkerung an der bislang unheilbaren Erkrankung; betroffen sind hauptsächlich Frauen zwischen 40 und 60 Jahren. Eine ganze Reihe von biologischen, psychischen und sozialen Faktoren ist mit der Entwicklung eines Fibromyalgiesyndroms assoziiert, ohne dass bisher eindeutige Aussagen zur Ursache der Erkrankung gemacht werden können. Die Diagnose ist wegen des weiten Spektrums möglicher Beschwerden schwierig und kann nur durch den Ausschluss anderer Erkrankungen getroffen werden. Betroffene leiden unter anhaltenden Schmerzen in Nacken, Rücken, Brust, Bauch oder Gelenken, je nach Schwere der Erkrankung auch unter Schlafstörungen, Erschöpfung, Reizmagen und -darm sowie psychischen Beschwerden wie Depression oder Angst.

Seit 2008 gibt es eine Leitlinie für Diagnose und Therapie des Fibromyalgiesyndroms. Sie soll Ärzte darin unterstützen, wirksame Therapien auszuwählen, und Patienten Behandlungen ohne Aussicht auf Erfolg bzw. Nebenwirkungen ersparen. „Bisher gab es zu vielen Behandlungen noch keine belastbaren Ergebnisse, daher konnten wir 2008 dazu keine klaren Aussagen machen“, erklärt Professor Wolfgang Eich. Die aktualisierte Version bezieht neue medizinische Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Studien sowie Erfahrungen von Experten und Patienten mit ein. An der Überarbeitung waren Vertreter aus neun medizinischen Fachgesellschaften und zwei Patientenorganisationen sowie 50 Ärzte und Wissenschaftler aus ganz Deutschland beteiligt.

Enttäuscht zeigte sich Eich von den Ergebnissen der medikamentösen Therapieansätze: „Nur wenige Präparate zeigten langfristigen Nutzen, bei den meisten überwiegen die Nebenwirkungen bei längerer Einnahme.“ Nicht geeignet sind entzündungshemmende Schmerzmittel, Opiode oder Cannabinoide. Bestimmte niedrig dosierte Antidepressiva linderten dagegen die Beschwerden und werden daher für den zeitlich begrenzten Einsatz empfohlen.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg