Graeme M. Clark von der University of Melbourne, Australien, und John P. Donoghue von der Brown University in Providence, USA, sind die Träger des mit 50.000 Euro dotierten Zülchpreises, den die Gertrud Reemtsma Stiftung vergibt. Geehrt werden die zwei Wissenschaftler für ihre Untersuchungen auf dem Gebiet der Neuroprothetik - einer Arbeitsrichtung, die sich zum Ziel gesetzt hat, Funktionsausfälle des menschlichen Nervensystems mit technischen Systemen zu kompensieren.

Graeme M. Clark ist der Vater des Cochlea-Implantats, das es tauben Menschen ermöglicht wieder zu hören. Dabei werden die Hörnerven direkt elektrisch stimuliert. Dafür mussten implantierbare Multikanal-Elektroden entwickelt werden, die von Sprachprozessoren gesteuert werden, welche die für das Sprachverstehen relevanten Schallfrequenzen in elektrische Impulse umwandeln. Wie man solche Elektrodenbündel zu der Frequenzregion führen kann, ohne die Cochlea zu verletzen, hatte Clark an Seemuscheln geübt.

Im Jahr 1978 gelang es Graeme M. Clark erstmals, mit einem solchen Implantat das Sprachverstehen eines ertaubten Erwachsenen wiederherzustellen. Und seit 1985 werden auch taub geborene Kinder mit Cochlea-Implantaten versorgt. Inzwischen tragen weltweit bis zu 200.000 gehörlose Patienten Cochlea-Implantate - und viele von ihnen können mit diesen Neuroprothesen ein weitgehend normales Leben führen.

John P. Donoghue beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Frage, wie das Gehirn Gedanken in Handlungen umsetzt. Unter Einsatz von Multielektroden-Chips, die in die motorische Hirnrinde von Primaten implantiert wurden, konnte er die elektrischen Impulse multipler Nervenzellen über lange Zeiträume simultan registrieren. Aus der Korrelation der Aktivitätsmuster mit motorischen Handlungen gelang es ihm, die neuronale Kodierung der Handlungsabläufe zu entschlüsseln und durch Dekodierung dieser Signale willensabhängige Handlungen auf Maschinen zu übertragen.

Die Richtigkeit dieses Konzepts konnte im Tierversuch nachgewiesen werden. Für die klinische Umsetzung wurden Hirn-Maschinen-Schnittstellen entwickelt, die ins Hirn gelähmter Patienten implantiert werden können und ihnen die Möglichkeit eröffnen sollen, Computer, Roboterarme oder sogar gelähmte Gliedmaßen über die Aktivität des eigenen Gehirns zu steuern.

MEDICA.de; Quelle: Max-Planck-Gesellschaft