Autonomie und Menschenrechte am Lebensende

24.11.2014
Foto: Alte Frau im Schnee

Eine enge Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg findet an der FAU statt, um die Autonomie am Lebensende zu stärken ; © panthermedia.net / Marko Volkmar

Während die Öffentlichkeit über das Pro und Kontra des assistierten Suizids diskutiert, wird eine entscheidende Frage in den Hintergrund gedrängt: Wie können Menschen in ihrer letzten Lebensphase in Würde und unter Respekt ihrer Autonomie leben? An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und am Universitätsklinikum Erlangen arbeiten Fachleute aus den Bereichen Menschenrechte und Menschenrechtspolitik, Palliativmedizin, Medizinethik, Philosophie und Literaturwissenschaft bei diesem Thema eng zusammen.

Sie plädieren nicht nur für einen Ausbau der palliativmedizinischen Angebote für Schwerkranke, sondern streben auch ein umfassendes Konzept zur menschenwürdigen Gestaltung des Lebensendes an.

Die angemessene Gestaltung des Lebensendes ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gesellschaftspolitik im Allgemeinen und der Gesundheitspolitik im Besonderen. Doch hierzu gehört nicht nur die Frage nach adäquaten Formen der Sterbebegleitung. Vielmehr ist am Lebensende ein umfassendes Konzept nötig, das neben der Pflege und medizinischen Betreuung von Patienten, alten Menschen und unheilbar Kranken kurz vor ihrem Tod außerdem die Weiterentwicklung der Palliativmedizin und -versorgung sowie den Schutz vor physischer, psychischer oder medikamentöser Misshandlung im Gesundheitswesen mit einschließt. „Obwohl es in den vergangenen Jahren große Fortschritte in der ambulanten und stationären Palliativversorgung gab, haben bei Weitem noch nicht alle Patienten einen ausreichenden Zugang dazu“, sagt Prof. Dr. Christoph Ostgathe, Lehrstuhl für Palliativmedizin und Leiter der Palliativmedizinischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen.

In Erlangen kooperieren in einer deutschlandweit einzigartigen Initiative Fachleute aus den Bereichen Medizin, Rechts- und Politikwissenschaft, Philosophie, Literaturwissenschaft, Medizinethik sowie Menschenrechte und Menschenrechtspolitik. In ihrem Projekt „Human Rights in Healthcare“, das von der FAU im Rahmen der Emerging Fields Initiative (EFI) gefördert wird, beschäftigen sich die Forscherinnen und Forscher mit der Frage, wie sich Menschenrechte im Gesundheitssystem schützen lassen. „Besonders groß ist die Herausforderung, wenn es darum geht, Menschen in sogenannten vulnerablen Situationen – etwa einem Leben in Armut, mit Behinderung oder Einschränkungen im hohen Alter, vielleicht sogar Demenz – zu schützen“, erklärt Prof. Dr. Andreas Frewer, Professur für Ethik in der Medizin und Projektkoordinator. „Wir haben in der Region einen engen Bezug sowohl zum Thema Menschenrechte als auch zu Medizin und Medizintechnik. Dadurch passt das Thema sehr gut zur FAU“, unterstreicht Prof. Dr. Dr. h.c. Heiner Bielefeldt, Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik, ebenfalls Koordinator des Projekts.

Mit ihrer Arbeit wollen die Erlanger Wissenschaftler neue Denkanstöße liefern. Im Mittelpunkt der Tagung „Autonomie und Menschenrechte am Lebensende“ stehen dabei Fragen wie: Welche Menschenrechte sind für Menschen in der letzten Lebensphase besonders relevant und schutzbedürftig? Wie müssten sie präzisiert werden, um innerhalb der Gesundheitssysteme eine adäquate medizinische und psychologische Betreuung Bedürftiger und Sterbender zu gewährleisten? Wo liegen die Herausforderungen und Probleme ihrer praktischen Umsetzung? Welche Lösungsansätze gibt es und welches Potenzial bieten dabei menschenrechtspolitische Argumente?

MEDICA.de; Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg