Bisher gibt es nur wenige und widersprüchliche Studien, die sich mit den langfristigen Ergebnissen von Alkoholismustherapien beschäftigen. Eine Neun-Jahresstudie hat untersucht, welchen Einfluss die Alkoholaversiva (AA) Disulfiram und Calciumcarbimid auf das Auftreten von Abstinenz, kurzfristigen Alkoholausrutschern ("lapses") oder schweren Rückfällen bei chronisch alkoholkranken Patienten haben.

Über die Einnahme von Calciumcarbimid beziehungsweise Disulfiram als so genannte Alkoholaversiva wird bei den Patienten eine Alkoholunverträglichkeit herbeigeführt. Die Hemmung des alkoholabbauenden Enzyms Acetaldehyddehydrogenase führt bei Alkoholkonsum zur Anhäufung des toxischen Acetaldehyds im Körper - mit den Folgen einer "inneren Vergiftung", der so genannten "Disulfiram-Alkohol-Reaktion".

Die Forscher analysierten Daten, die sie von 1993 bis 2002 gesammelt hatten. 180 chronisch alkoholkranke Patienten wurden konsekutiv in ein zweijähriges umfassendes integratives Behandlungsprogramm aufgenommen, die Ambulante Langzeit-Intensivtherapie für Alkoholkranke (ALITA). Ein wesentliches Therapie-Element dieses Programms ist die überwachte Einnahme von Disulfiram oder Calciumcarbimid, die durch sorgfältige psychoedukative und psychotherapeutische Interventionen vorbereitet und begleitet wird.

Die Patienten wiesen neun Jahre nach Beginn der ALITA-Therapie eine Abstinenzrate von über 50 Prozent auf. Bei Patienten, die Alkoholaversiva länger als 20 Monate einnahmen, war die Abstinenzrate höher als bei Patienten, die die AA zwischen dem 13. und dem 20. Monat absetzten. Je länger ein Patient Alkoholaversiva einnimmt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er kontinuierlich abstinent bleibt, auch nachdem er das Alkoholaversivum abgesetzt hat.

MEDICA.de; Quelle: Alcoholism: Clinical & Experimental Research (ACER) Januar 2006