Bösartige Hirntumoren neu klassifiziert

Foto: Gehirn mit Tumor

Glioblastome sind die bösartig-
sten aller Hirntumoren und
lassen sich in sechs Gruppen
unterteilen;© panthermedia.net/
James Steidl

Ein internationales Forscherteam unter der Federführung von Molekularbiologen aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum konnte dies nun in einer Studie zeigen, die erstmals Tumoren von Patienten aller Altersgruppen einschloss. Der molekulare Fingerabdruck der einzelnen Tumorgruppen könnte bei der Entwicklung differenzierter Therapien helfen und dazu beitragen, klinische Studien gezielter zu planen.

Glioblastome wachsen äußerst aggressiv in gesundes Hirngewebe ein und sind darüber hinaus hochgradig resistent gegenüber Strahlen- und Chemotherapie. Daher gelten sie als die bösartigsten aller Hirntumoren. Die heute verfügbaren Behandlungsverfahren können oft nur wenig gegen die Erkrankung ausrichten. An einem Glioblastom können Menschen jeden Alters erkranken, Kinder sind seltener betroffen als Erwachsene. In Deutschland erkranken jährlich etwa 6000 Menschen an diesem Tumor.

„Wenn wir unsere neuen Ergebnisse zugrunde legen, müssten wir eigentlich sagen, sie erkranken an einem aus der Gruppe dieser Tumoren“, sagt Professor Stefan Pfister. Unter seiner Leitung hat nun ein Team von Molekulargenetikern aus zahlreichen deutschen Universitäten, aus den USA und aus Kanada das Erbgut von insgesamt 210 Glioblastom-Patienten aller Altersklassen analysiert und klassifiziert.

Die Forscher richteten ihr Augenmerk auf Mutationen der Erbgutsequenz, auf das Aktivitätsmuster aller Gene, auf Erbgutverluste und Vervielfältigungen. Außerdem untersuchten sie das Muster an so genannten Methylmarkierungen, eine Art kleiner chemischer Anhaftungen an die DNA-Bausteine, die Forscher unter dem Begriff „epigenetische Veränderungen“ zusammenfassen. In Kombination mit klinischen Daten wie Erkrankungsalter, Lebenswartung und anatomischer Lage des Tumors führten diese Parameter zur Definition von sechs verschieden Gruppen der Glioblastome.

„Wir haben zum erstem Mal Tumoren von Patienten aller Altersklassen in einer Studie zusammengefasst“, sagt Dominik Sturm. „Nur so konnten wir beispielweise erkennen, dass auch bei erwachsenen Patienten gelegentlich Tumoren auftreten, die wir als charakteristisch für Erkrankungen des Kindesalters gehalten hatten.“

Pfisters Gruppe hatte bereits Anfang dieses Jahres bei Glioblastomen von Kindern zwei verschiedene Mutationen im Gen für eines der DNA-Verpackungsproteine entdeckt. „Obwohl sie ein- und dasselbe Gen betreffen, definieren diese beiden Mutationen nun zwei unserer sechs Tumorgruppen, die sich deutlich unterscheiden. Sie treten sogar in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns auf“, so Sturm.

„Die präzise Kenntnis der verschiedenen molekularen Hintergründe des Glioblastoms könnte der Kompass sein, der uns zu neuen Behandlungsansätzen führt, die speziell auf eine der Untergruppen zugeschnitten sind“, sagt Pfister. Zwei der sechs gerade definierten Gruppen zeichnen sich beispielsweise durch stark abweichende Muster an epigenetischen Markierungen aus.

MEDICA.de; Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum