Am 1. Mai 2004 trat die „European Clinical Trials Directive“ in Kraft. Sie macht unter anderem „good clinical practice“ verpflichtend für alle klinischen Wirkstoffprüfungen. Dies gilt seitdem auch für Studien an Universitäten und Akademien, nicht mehr nur für kommerzielle Studien der Pharmaindustrie. Zu „good clinical practice“ gehört allerdings auch ein erheblicher Verwaltungsaufwand: Daten müssen umfangreich dokumentiert, Audits abgehalten werden und Ähnliches. Dies alles kostet Zeit und Geld. Man hat daher befürchtet, dass durch die „European Clinical Trials Directive“ universitäre Studien zu Wirkstoffen deutlich seltener durchgeführt werden oder gar ganz aufgegeben würden.

Ob dies tatsächlich so ist, hat jetzt eine Studie in Dänemark untersucht. Retrospektiv wurden alle Studien analysiert, die zwischen 1993 und 2006 bei der „Danish Medicines Agency“ eingereicht wurden. Dabei klassifizierten die Studienleiter die untersuchten Studien als „kommerziell“ oder „akademisch“.

Zwischen 1993 und 2006 wurden demnach immer weniger Studienergebnisse bei der „Danish Medicines Agency“ eingereicht: von 417 im Jahre 1993 bis zu 260 im Jahre 2005. Erst 2006 stieg die Zahl der eingereichten Studien dann wieder auf 336. Untersucht man nur die akademischen Studien, dann sank deren Zahl von 147 im Jahre 1993 auf 86 im Jahre 2005 und stieg 2006 wieder auf 107 Studien an. Die entsprechenden Zahlen für kommerzielle Studien: 262 (1993), 174 (2005). Auch auf diesem Gebiet stiegen die Zahlen der Studien im Jahre 2006 wieder an: auf 229.

Offensichtlich sank die Zahl der Studien in Dänemark seit 1993 kontinuierlich und stieg erst in 2006 wieder an. Dies gilt für kommerzielle wie akademische Studien gleichermaßen. Dieser Trend wurde durch die Einführung der „European Clinical Trials Directive“ nicht beeinflusst.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2008, Vol. 336, S. 33-35