Bei Frauen im zeugungsfähigen Alter sind Depressionen nicht selten. Viele dieser Frauen und ihre Ärzte stehen vor der schwierigen Entscheidung, ob während der Schwangerschaft antidepressive Medikamente eingenommen werden sollen. Wenn Frauen vor einer Schwangerschaft antidepressive Medikamente eingenommen haben und diese während der Schwangerschaft wieder absetzen, erleiden sie oft einen Rückfall. Dies steht jenem Glauben gegenüber, wonach die Schwangerschaft gegen seelische Störungen schützen soll.

In einer Studie sollte nun untersucht werden, wie groß bei schwangeren Frauen das Risiko eines depressiven Rückfalls tatsächlich ist. Zwischen 1999 und 2003 wurden 201 schwangere Frauen in diese Studie eingeschlossen. Von diesen 201 Frauen hatten 13 eine Fehlgeburt, fünf ließen die Schwangerschaft abbrechen und zwölf weitere kamen nicht mehr zu den Nachuntersuchungen.

Während der Schwangerschaft erlitten 86 der Frauen (43 Prozent) einen Rückfall schwerer Depression. Darunter waren auch 21 von 82 Frauen (26 Prozent), die während der ganzen Schwangerschaft über ihre Medikation eingenommen hatten. Auch 44 (68 Prozent) der 65 Frauen, die ihre Medikamenteneinnahme unterbrochen hatten, erlitten einen depressiven Rückfall. Im Vergleich zu jenen Frauen, die ihre Medikamente auch während der Schwangerschaft einnahmen, hatten jene, die ihre Medikation absetzten ein fünffach erhöhtes Risiko eines depressiven Rückfalls (p kleiner 0.001).

Obwohl die Studie einige Schwächen hatte, zum Beispiel nicht verblindet war, zeigt sie nach Ansicht der Studienautoren doch ganz deutlich, dass Schwangerschaft keineswegs das Risiko von Depressionen senkt.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the American Medical Association (JAMA) 2006, Vol. 295, S. 499-507