Bakterien als Transportmittel

Krebszellen vom Dickdarmtumor unter dem Mikroskop

Krebszellen vom Dickdarm, die
Shiga Toxin B (rot) aufgenommen
haben; © Klinikum rechts der Isar

Chemotherapien haben den Nachteil, dass sie nicht nur auf Tumorzellen, sondern auch auf das normales Gewebe wirken. Dadurch werden zwar wie erwünscht Tumorzellen abgetötet, aber auch viele normale Zellen. Forscher um Doktor Klaus-Peter Janssen an der Chirurgischen Klinik arbeiten daher an der Entwicklung eines Transportmediums - eines sogenannten Vektors, das sich gezielt in Krebszellen anreichert, nicht jedoch im Normalgewebe. Dadurch soll die Chemo- oder Strahlentherapie ganz auf den Tumor konzentriert werden können, um eine effiziente Tumorbehandlung möglichst ohne Nebenwirkungen zu erreichen.

Die Strategie basiert auf einem Vektor, der diese Vorgaben auf natürlichem Weg ideal erfüllt: dem Shiga Toxin B. Dieses aus einem Darmbakterium stammende Protein verursacht für sich genommen keine nennenswerten physiologischen Störungen im Darmtrakt. Durch die Kopplung an radioaktive oder chemotherapeutische Substanzen lässt sich das Shiga Toxin B jedoch in ein effektives Werkzeug zur diagnostischen Tumordarstellung verwandeln und möglicherweise auch zur Therapie einsetzen.

Die Arbeitsgruppe konnte im Tiermodell bereits vor zwei Jahren zeigen, dass Shiga Toxin B zur Darstellung von Darmtumoren mit bildgebenden Verfahren gut geeignet ist. In der aktuellen Veröffentlichung werden diese vorklinischen Befunde auf den Menschen übertragen. Die Wissenschaftler stellten fest, dass der Rezeptor für Shiga Toxin B (Gb3 oder CD77) nicht nur auf Tumoren des Darmtraktes, sondern vor allem auch auf Lebermetastasen im Vergleich zum Normalgewebe stark angereichert ist.

Die Forscher überprüften daraufhin die Aufnahme von Shiga Toxin B in Primärkulturen von Tumorzellen. Das Ergebnis: Fluoreszenzmarkiertes Shiga Toxin B wird von Krebszellen gezielt aufgenommen, nicht aber von Zellen aus gutartigen Adenomen oder von normalen Darmzellen. Damit eignet sich Shiga Toxin B als neuartiges Werkzeug zur zielgerichteten Therapie von Darmkrebs.

MEDICA.de; Quelle: Klinikum rechts der Isar der TU München