Bakterien helfen heilen

Chemikern der Uni Jena ist es gelun-
gen, ein Verfahren zur flächigen Ge-
winnung von Nanozellulose zu eta-
blieren; © Jan-Peter Kasper/FSU

Die Chemiker des Instituts für Technische Chemie und Umweltchemie lassen von sogenannten Gluconacetobacter-Bakterien das Biomaterial Nanozellulose herstellen, das als Ausgangsmaterial für neuartige Wundauflagen dient. Darin wollen die Forscher Nanozellulose mit verschiedenen Wirkstoffen ausstatten und ihre Einsatzmöglichkeiten in der Wundversorgung testen.

Möglich macht das Projekt ein weltweit bislang einzigartiges Verfahren zur Gewinnung flächiger Nanozellulose, das in der Nachwuchsforschergruppe um Doktor Dana Kralisch entwickelt und etabliert wurde. Bakteriell synthetisierte Nanozellulose (kurz BNC) biete sich durch eine ganze Reihe von Eigenschaften für eine Anwendung im medizinischen Bereich an, erläutert Kralisch. „Nanozellulose verfügt aufgrund ihrer Nanostruktur über eine außerordentlich große innere Oberfläche“. Dies ermögliche ein sehr großes Wasserbindungsvermögen und deren Beladung mit Wirkstoffen. „Außerdem lässt sich das Material leicht auf eine Wunde auftragen und schmerzfrei wieder ablösen“, unterstreicht die Chemikerin.

Diese Eigenschaften machen das Material besonders für die Therapie chronischer Wunden geeignet. Unter chronischen Wunden leiden meist Patienten, bei denen eine Wundheilungsstörung, etwa als Folge einer Diabetes- oder Gefäßerkrankung vorliegt. Während Wunden der Haut unter normalen Umständen innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen wieder verheilen, bleiben chronische Wunden über Monate, manchmal sogar Jahre bestehen. „Diese Wunden brauchen einen Wundverband, der einerseits überschüssige Wundflüssigkeit aufnehmen und andererseits heilungsfördernde Wirkstoffe abgeben kann“, so Kralisch.

Die Wissenschaftler planen nun, bakteriell synthetisierte Nanozellulose mit verschiedenen Wirkstoffen zu beladen und diese für den Einsatz als aktive Wundauflage für chronische Wunden systematisch zu testen.


MEDICA.de; Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena