Bandwurmmittel stoppt Metastasen bei Dickdarmkrebs

Foto: Abbildung vom menschlichen Darm

In Deutschland erkranken jährlich
rund 73 000 Menschen an Darm-
krebs; © panthermedia.net /
vishnukumar sivaraman

Der Wirkstoff schaltet ein Gen aus, das bei Darmkrebs Metastasen auslöst. Darmkrebs ist eine der häufigsten bösartigen Tumorerkrankungen in den westlichen Ländern. Allein in Deutschland erkranken jährlich rund 73 000 Menschen daran.

Trotz Operation, Chemo- und Strahlentherapie wird nur etwa die Hälfte der betroffenen Patienten geheilt. Das liegt daran, dass bei etwa 20 Prozent der Darmkrebspatienten bereits bei der Diagnose Metastasen festgestellt werden und bei etwa einem Drittel der Patienten Metastasen trotz erfolgreicher Ersttherapie auftreten. Von den Betroffenen überleben nur etwa zehn Prozent die Diagnose um fünf Jahre. Von den Patienten mit Darmkrebs ohne Metastasen überleben hingegen 90 Prozent.

Seit einigen Jahren ist ein Gen bekannt, das bei Darmkrebs Metastasen auslöst. Es ist das Gen S100A4/Metastasin. Vor rund fünf Jahren konnte Stein zusammen mit Schlag und Professor Walter Birchmeier (MDC) zeigen, wie dieses Gen reguliert wird. Sie stellten fest, dass das Gen beta-Catenin, wenn es mutiert ist, dieses Metastasin-Gen anschaltet und damit bei Darmkrebs die Bildung von Töchtergeschwülsten auslöst. Beta-catenin sorgt normalerweise dafür, dass Zellen in ihrem Zellverband bleiben.

Die Wissenschaftler suchten nach Substanzen, die das Ablesen des Metastasin-Gens blockieren. Sie prüften 1 280 Wirkstoffe und wurden mit der Substanz Niclosamid fündig. Sie wird bisher gegen Bandwürmer eingesetzt. Es zeigte sich überraschenderweise, dass Niclosamid sowohl in der Zellkultur als auch bei Versuchen mit Mäusen das von beta-Catenin-gesteuerte Ablesen des Metastastasierungs-Gens hemmt. Die Tiere hatten weniger Metastasen.

Das hat Professor Stein vom Experimental and Clinical Research Center des Max-Delbrück-Centrums, MDC, Berlin mit Professor Robert H. Shoemaker vom National Cancer Institute, NCI, USA entdeckt. Mit Professor Peter M. Schlag von der Charité Comprehensive Cancer Center sind bereits Planungen zur klinischen Prüfung angelaufen. Jetzt wollen die Forscher in klinischen Studien prüfen, ob die Substanz auch bei Patienten mit metastasierendem Dickdarmkrebs wirksam ist.

MEDICA.de; Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch)