Barrierefreie Produkte aus dem Labor

Geräte wie diese Mikrowelle könn-
ten größer und blindengerecht be-
schriftet werden; © SXC

Der demografische Wandel bringt vielfältige Herausforderungen mit sich. So auch für Produzenten von Konsumgütern. Wie diese ihre Produkte an die Bedürfnisse von Menschen anpassen können, die schlecht sehen, hören oder in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind, erforschen jetzt das Technologiezentrum Informatik und Informationstechnik (TZI) und das Institut für Integrierte Produktentwicklung (BIK) der Universität Bremen in einem von der EU geförderten Projekt.

Im Fokus steht die Entwicklung eines Gestaltungskonzeptes, das die Bedürfnisse von Menschen mit physischen Einschränkungen beinhaltet. "Es geht um ein virtuelles Benutzermodell, mit dessen Hilfe Produktentwickler und -designer in der Simulation am Rechner sehen, hören oder sich bewegen können wie Menschen, die in diesen Bereichen nur eingeschränkt oder gar nicht agieren können", sagt TZI- Projektkoordinator Professor Michael Lawo.

Das bedeutet: Bislang haben Entwickler und Designer während der Gestaltung häufig nur darüber nachdenken können, wie ein Gerät barrierefrei zu gestalten ist. Mit diesem Projekt sollen sie nun die Möglichkeit erhalten, Behinderungen und altersbedingte Einschränkungen in der Simulation auch zu erleben und zu testen.

Warum nicht das Flusensieb der Waschmaschine oben am Gerät anbringen statt unten am Boden? Weshalb die Tasten der Mikrowelle nicht einfach etwas größer beschriften, vielleicht auch in kleineren Auflagen mit Blindenschrift-Zeichen versehen? Oder das Display am Blutdruckmessgerät mal etwas übersichtlicher gestalten und dazu auch noch beleuchten? Das würde vielen Menschen helfen - nicht nur denen mit Handicap.

"Mit dem virtuellen Designlabor wollen wir die Entwicklung von barrierefreien Konsumgütern und Benutzerschnittstellen wie zum Beispiel Fernbedienungen und anderen Bedienelementen unterstützen", erklärt Professor Klaus-Dieter Thoben, Leiter des BIK und Bereichsleiter am Bremer Institut für Produktion und Logistik. "Langfristige Erfolge werden nur die Produkte haben können, die sich auch spezialisiert mehr an den Bedürfnissen ihrer Nutzerinnen und Nutzer orientieren."

MEDICA.de; Quelle: Universität Bremen