Baustein für die Funktion des Zellgedächtnisses entschlüsselt

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Harald Richter

Mit vielen kleinen Modifikationen von Aminosäuren sind Zellen in der Lage – ähnlich einer Computerfestplatte – Informationen im Chromatin der Zelle zu speichern, um sie später bei Bedarf wieder abzulesen oder auch zu löschen. Die RNA-Polymerase II ist an diesem wichtigen Vorgang unmittelbar beteiligt.

Wie Professor Dirk Eick von der Abteilung Molekulare Epigenetik des Helmholtz Zentrums München und seine Kollegen der LMU und Universität Marseille und Barcelona jetzt herausfanden, werden in der Polymerase neben der Serin auch die Aminosäuren Threonin und Tyrosin durch Anhängen von Phosphatgruppen (Phosphorylierung) modifiziert. Diese Veränderungen und die große Anzahl daraus resultierender unterschiedlicher Kombinationen steuern wichtige Informationsflüsse in der Zelle und sind zentraler Bestandteil für die Regulation der Genexpression in allen mehrzelligen Organismen. Die Wissenschaftler haben damit einen wichtigen Mechanismus der Epigenetik weiter entschlüsselt, der genetische und epigenetische Information in der Zelle vernetzt.

Dieses Wissen kann vielfältig eingesetzt werden: „Der Befund ist von zentraler Bedeutung, um den molekularen Prozess der Zelldifferenzierung, aber auch pathologische und degenerative Entwicklungen in Zellen besser zu verstehen“, so Eick. Die Wissenschaftler werden nun untersuchen, wie bestimmte Umweltfaktoren epigenetisch Einfluss nehmen.

MEDICA.de; Quelle: Helmholtz Zentrum München