Behandlung von Knochen- und Weichteiltumoren

Diese Zellen sind in der Lage, eine spezifische Immunreaktion auszulösen, die sich gegen Tumorzellen des Ewing-Sarkoms richtet. Knochen- und Weichteilsarkome repräsentieren etwa elf Prozent der bösartigen Tumore im Kindes- und Jugendalter. Moderne Therapiestrategien kombinieren Chirurgie, Chemo- und Strahlentherapie und konnten die Heilungschancen dieser Tumore in den letzten Jahrzehnten deutlich steigern, sodass die tumorfreie Überlebensrate nach fünf Jahren bei etwa 60 bis 70 Prozent liegt. Dennoch ist die Prognose für einzelne Untergruppen von Patienten weiterhin ungünstig und die Langzeitüberlebensrate liegt bei weniger als 20 Prozent.

Bei Kindern und Jugendlichen stoßen die Ärzte bislang an therapeutische Grenzen: Aufgrund der starken Nebenwirkungen, die akut und langfristig auftreten, können Dosis und Länge der Chemotherapie nicht weiter gesteigert werden. Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert daher vier Forschungsprojekte an der „Therapieeinheit für Knochen- und Weichteilsarkome“ mit dem Ziel, risikospezifische und individualisierte Therapien für die Patienten zu entwickeln, die mit herkömmlichen Behandlungsstrategien nicht geheilt werden können.

Eines der Projekte leiten Doktor Günther Richter und Professor Stefan Burdach. Ihnen ist ein Durchbruch gelungen: Sie sind in der Lage T-Zellen gegen Ewing-Sarkome herzustellen und zu vermehren. Damit können Sie das körpereigene Immunsystem von Tumorpatienten erheblich unterstützen, das selbst oft nicht in der Lage ist, Tumorzellen zu erkennen und zu bekämpfen. Im nächsten Schritt prüfen die Forscher die Qualität dieser T-Zellen bei der Bekämpfung des Tumorwachstums. In klinischen Studien soll anschließend untersucht werden, ob sich der Einsatz von T-Zellen positiv auf den Therapieerfolg auswirkt und wie dadurch die bisher notwendige hoch dosierte Chemotherapie mit nachfolgender Stammzelltransplantation abgemildert werden kann.

In einem zweiten Forschungsansatz innerhalb des Projekts konnten die Wissenschaftler einen spezifischen Rezeptor identifizieren, der die Diagnostik bei Ewing-Sarkomen verbessern kann. Dieser Marker kommt bei Sarkomen nur auf Ewing-Tumoren vor und ist nach bisherigem Kenntnisstand wesentlich für die Invasivität und das Metastasierungsverhalten dieser Tumoren. Bei gesunden Menschen ist der Rezeptor nur in wenigen Geweben schwach zu beobachten. Da er auf der Zelloberfläche von Tumorzellen sehr stark auftritt, betrachten die Wissenschaftler ihn als geeigneten Kandidaten für die Entwicklung neuer individualisierter Therapieansätze.

MEDICA.de; Quelle: Wilhelm Sander-Stiftung