Bei Gebärmutterhalskrebs erhaltend operieren

Die Studie hat die Aussagekraft des Wächter-Verfahrens untersucht. Als Wächterlymphknoten bezeichnet man die dem Tumor nächstgelegenen Lymphknoten. Sie haben das höchste Risiko, ebenfalls von Krebszellen befallen zu sein. Sind sie frei von metastasierenden Zellen, kann man den Forschern zufolge davon ausgehen, dass auch weiter entfernte Lymphknoten gesund sind. Für die Studie wurden Daten von mehr als 500 Operationen in 18 Kliniken im Zeitraum von 1998 bis 2006 analysiert.

Um die Wächterlymphknoten zu finden, wurde ein Farbstoff und radioaktiv markiertes Eiweiß in den Gebärmutterhals gespritzt, der mit der Lymphe bis zum nächst gelegenen Lymphknoten wandert. Diese Knoten wurden operativ entfernt und im Labor auf Metastasen untersucht. Sind hier keine Krebszellen nachweisbar, raten die Forscher auch von der Entfernung der restlichen Lymphknoten ab. Allerdings gelte dies zunächst für Tumoren, die kleiner als zwei Zentimeter sind. Bei diesen ergab die Studie eine Trefferrate von über 90 Prozent.

Ist der Gebärmutterhals von Krebs befallen, drohen Metastasen im umliegenden Lymphgewebe. Als Standardverfahren werden neben dem Primärherd sämtliche Lymphknoten im Beckenraum entfernt. Dabei können Folgeschäden wie Empfindungsstörungen, Schmerzen und Schwellungen oder Bewegungsstörungen der Beine auftreten.

Bei vielen Frauen genüge aber ein weniger komplizierter Eingriff, so die Forscher: Mit dem Wächter-Lymphknotenkonzept könne man vielen Frauen mit Gebärmutterhalskrebs das Standardverfahren ersparen. Die Leitlinien für Operationen müssten entsprechend geändert werden, wie es bei Brustkrebs und Melanomen bereits der Fall ist, fordern die Wissenschaftler.

MEDICA.de; Quelle: Charité Universitätsmedizin Berlin