Bei Herzstillstand kühlen Kopf bewahren

Von Lawinenopfern abgeschaut:
den Körper unterkühlen
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Ab sofort haben Notfall-Patienten, die mit einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand in das Uniklinikum Greifswald eingeliefert werden, bessere Chancen, das Krankenhaus ohne Folgeschäden und wieder gesund zu verlassen: Die Herzklinik hat ein neues, viel versprechendes Temperatur-Management-System (CoolGard) installiert, das die gefürchteten Ausfallerscheinungen am Gehirn nach einem Zusammenbruch mit Herzstillstand weitestgehend minimieren kann. Mittels CoolGard wird der Körper in eine Hypothermie versetzt und somit die Entwicklung von Giftstoffen im Gehirn reduziert. Nach Schwerin ist Greifswald die zweite Klinik, die das noch relativ neue Verfahren eingeführt hat.

Unmittelbar nach der Einlieferung in die Klinik werden die Patienten in der Regel 24 Stunden lang mittels eines Katheters mit Kochsalzlösung, der in die Blutbahn geschoben wird, innerhalb kürzester Zeit auf einen Körpertemperaturbereich zwischen 32 und 34 Grad Celsius abgekühlt.

Auf einem Farbmonitor können alle Schlüsselparameter wie aktuelle Patiententemperatur, Zieltemperatur, Kühl - oder Wärmerate mit einem Blick kontrolliert werden. Das System ist in der Lage, die Patienten-Temperatur exakt in einer Spanne von 0,3 Grad Celsius zu halten. Ebenfalls von entscheidender Bedeutung für den Behandlungserfolg durch therapeutische Hypothermie ist die Wiedererwärmphase bis zum Erreichen der Normaltemperatur von 36 bis 37 Grad Celsius.

Auf die heilsame Wirkung von Kälte sind Wissenschaftler unter anderem nach Lawinenunglücken gestoßen, bei denen unter Eis verschüttete Menschen nach bis zu 40 Minuten Herzstillstand wieder reanimiert werden konnten. Inzwischen ist durch internationale Multicenterstudien bewiesen, dass eine rasche Temperatursenkung nach Kreislaufstillstand überlebenswichtig ist. Die Patienten erholen sich darüber hinaus wesentlich schneller und können nicht selten schon kurz nach den lebensrettenden Maßnahmen wieder entlassen werden.

MEDICA.de; Quelle: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald