Bei einer Koronaren Herzerkrankung verschließen fetthaltige, verkalkte Ablagerungen die Herzkranzarterien und führen so zu einem Herzinfarkt. Dabei scheint auch eine entzündliche Komponente beteiligt zu sein, deren Mechanismus jedoch bislang nicht geklärt werden konnte.

Eine neue Studie des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) deckt jetzt auf, dass häufig zahlreiche Bakterien in den gefährlichen Ablagerungen leben und somit für die Krankheit mitverantwortlich sein könnten. Die Wissenschaftler fanden eine Vielzahl von Keimen in jedem der untersuchten Patienten. Insgesamt konnten sie so über 50 verschiedene Erreger identifizieren.

"Unsere Ergebnisse legen nahe, dass nicht eine Infektion mit einem Bakterium allein die Ursache für die Entzündung der Arterienwand sein kann. Die Kombination der vielen unterschiedlichen Erreger weist eher auf ein Problem an unseren Barriereorganen wie Lunge oder Darm hin. Dabei ist es letztendlich unklar, ob die Bakterien schon früh beteiligt sind oder erst später Teil der Veränderungen werden, die unser Herz in Gefahr bringen", erläutert Professor Stefan Schreiber, der die Forschungsgruppe leitet.

"Wir haben Bakterien identifiziert, die eigentlich im Mundraum vorkommen oder zum Beispiel als Erreger von Entzündungen der Haut oder der Atmungsorgane beschrieben werden. Aber unter den Erregern befinden sich auch völlig neue Bakterienstämme", so Dr. Stephan J. Ott, der die Studie durchgeführt hat.

Ob der Bakterienbefall tatsächlich die Ursache für die koronare Herzerkrankung ist oder ob sich die Erreger erst im späteren Krankheitsverlauf anreichern, ist zurzeit noch ungeklärt. "Die Ergebnisse unserer Studie können das nicht eindeutig klären" erläutert Rüdiger Simon, Direktor der Klinik für Kardiologie in Kiel. "Um diese Fragen zu beantworten, sind weitere Experimente nötig."

MEDICA.de; Quelle: Projektträger im DLR