Bekämpfung bakterieller Infektionen durch das Immunsystem

Jeder Mensch besitzt ein angeborenes und ein erworbenes (adaptives) Immunsystem, die im Körper effizient zusammenspielen und den Organismus vor pathogenen Keimen schützen. Eine funktionierende Immunabwehr ist gerade für ein gesundes Altern unumgänglich, da die Anfälligkeit für Infektionserkrankungen mit fortschreitendem Alter deutlich zunimmt.

Eine Strategie des angeborenen Immunsystems zur raschen Eindämmung von bakteriellen Infektionen besteht darin, Fresszellen zu aktivieren und diese durch Botenstoffe schnell an den Infektionsort zu locken. Dort beginnen sie innerhalb weniger Stunden mit der Beseitigung der "Eindringlinge", bevor die effizientere, aber erst nach Tagen einsetzende, adaptive Immunantwort erfolgt.

Eine relativ kleine, aber dennoch bedeutende, Subpopulation von weißen Blutzellen (T-Lymphozyten; sog. γδ-T-Zellen) des angeborenen Immunsystems spielen eine wichtige Rolle bei der schnell einsetzenden Immunantwort. Diese Zellen üben eine unmittelbare Schutzfunktion gegenüber Bakterien und entarteten Zellen aus, sozusagen als "schnelle Eingreiftruppe". Sie schütten Botenstoffe aus, wie zum Beispiel Interleukin-17 (IL-17), wodurch innerhalb kürzester Zeit die Infektionsabwehr steht.

Im Immunsystem der Maus und des Menschen spielen die genregulatorischen Faktoren der NF-κB-Familie eine zentrale Rolle. Sie regeln sowohl die Produktion verschiedener Interleukine als auch die Entwicklung und Funktion von Immunzellen. Die Ausschüttung des Botenstoffes IL-17 wird vor allem mit Entzündungs- und Autoimmunerkrankungen wie Sepsis, multiple Sklerose und rheumatoide Arthritis in Verbindung gebracht. Bisher gab es keine Hinweise darauf, inwieweit NF-κB die von γδ-T-Zellen vermittelte schnelle Immunantwort steuert.

Forschern des Leibniz-Institutes für Altersforschung - Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena gelang es in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität Regensburg und des Klinikums der Technischen Universität München nun einen wichtigen Blick "hinter die Kulissen" zu werfen und den Mechanismus der von γδ-T-Zellen vermittelten Immunantwort gegen eine bakterielle Infektion aufzuklären.

"Für unsere Versuche verwendeten wir genetisch veränderte Mäuse, in denen T-zellspezifisch die Proteine RelA und RelB, beides NF-κB-Familienmitglieder, ausgeschaltet waren", berichtet Professor Falk Weih vom FLI in Jena. Die Untersuchung von γδ-T-Zellen aus der Milz dieser RelA- und RelB-Knockout-Mäuse lieferte den Nachweis, dass die schnelle Freisetzung von IL-17 von beiden Faktoren abhängig ist.

Da γδ-T-Zellen vollständig im Thymus heranreifen und erst danach in Milz, Lymphknoten und Epithelien (Haut und Darm) einwandern, lag die Vermutung nahe, dass die Fähigkeit zur Produktion von IL-17 bereits im Thymus angelegt wird. "Die Analyse thymischer γδ-T-Zellpopulationen bestätigte unsere Vermutung", so Doktor Iwona Powolny-Budnicka, Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe von Weih am FLI. Die Zellen werden bereits während ihrer Entwicklung im Thymus – und nicht erst durch den Kontakt mit den Erregern – für die rasche Freisetzung von IL-17 vorprogrammiert und stehen deshalb als schnelle Eingreiftruppe sofort zur Verfügung, wenn es zu bakteriellen Infektionen kommt. Durch umfangreiche molekular- und zellbiologische Untersuchungen konnten wir die unterschiedliche Funktion der NF-κB-Faktoren RelA und RelB bei der IL-17-Produktion durch γδ-T-Zellen weitestgehend aufklären“, so Doktor Powolny-Budnicka weiter.

"Die von uns erzielten Ergebnisse belegen die Komplexität der von NF-κB gesteuerten und von IL-17-produzierenden γδ-T-Zellen vermittelten, schnellen Immunantwort. Sie öffnen die Tür für weitere Untersuchungen von IL-17-abhängigen Erkrankungen des Menschen, wie zum Beispiel multiple Sklerose und rheumatoide Arthritis. Darüber hinaus können die gewonnenen Erkenntnisse auch dazu beitragen, die erst kürzlich beschriebenen positiven Auswirkungen von IL-17 und γδ-T-Zellen auf die chemotherapeutische Behandlung bestimmter Krebsarten besser zu verstehen“, unterstreicht Weih.

MEDICA.de; Quelle: Leibniz-Institut für Altersforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI)