Beratung über die Abschaffung von Tierversuchen

12/05/2015
Foto: weiße Maus

Die Gesellschaft für Virologie hält kritisch kontrollierte Tierversuche derzeit für unverzichtbar und unterstützt den Einsatz alternativer Methoden; © panthermedia.net/Jeffrey Van Daele

Gestern wurde im Europäischen Parlament über den Einsatz von Tierversuchen zu wissenschaftlichen Zwecken diskutiert. Anlass ist eine Petition, die die Aufhebung der Tierversuchsrichtlinie 2010/63/EU fordert mit dem langfristigen Ziel Tierversuche europaweit vollständig zu verbieten. Die Gesellschaft für Virologie (GfV) nimmt dazu jetzt in einem Brief an die Abgeordneten des Europäischen Parlaments Stellung.

"Es ist völlig unbestritten, dass sich immer mehr Fragen ohne Tierversuche lösen lassen", sagt Professor Dr. med. Thomas Mertens, Präsident der GfV vom Uniklinikum Ulm. Eine intensive Forschung an neuen Methoden, die den Ersatz von Tierversuchen verringern können, sei daher unabdingbar. "Virologen nehmen hierbei bereits eine Vorreiterrolle ein", so Mertens. Viele Experimente zur Virusvermehrung führen Wissenschaftler inzwischen in Zellkultursystemen durch. Neue Therapieansätze entwickeln sie beispielsweise auch mithilfe von Computer-Modellen. "Dennoch wird es auf absehbare Zeit nicht möglich sein, Tierversuche vollständig zu ersetzen," so der Präsident der GfV.

Bekannte und neu auftretende Viren stellen auch in Zukunft eine lebensbedrohliche Gefahr für die weltweite Bevölkerung dar, wie der Ebola-Ausbruch in Westafrika erst kürzlich mit etwa 11.000 Toten zeigte. Dieser Bedrohung könne man nur mit intensiver Forschung an Medikamenten und Impfstoffen entgegentreten. "Die Entwicklung neuer Therapeutika und Impfstoffe müssten wir ohne Tierversuche jedoch nahezu vollständig einstellen", warnt Mertens. Virologen in Europa müssten bei Infektionserkrankungen und Epidemien untätig zusehen. "Wir wären auf die Erkenntnisse aus anderen Ländern angewiesen, die wissenschaftliche Tierversuche zulassen", so Mertens.

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Mehr Informationen über die Debatte finden Sie unter: www.awmf.org