Die Beweise dafür, dass eine Beschneidung des männlichen Gliedes das Risiko des Mannes senkt, sich mit HIV zu infizieren, werden immer zahlreicher. Viele HIV-Experten fordern daher, Männer in gefährdeten Gebieten der Welt zu beschneiden. Recht wenig Aufmerksamkeit hat man aber der Frage geschenkt, ob auch die Frauen der beschnittenen Männer von einer Beschneidung profitieren. Ist ihr Risiko, sich mit einer Geschlechtskrankheit zu infizieren, ebenfalls geringer?

Nein, sagt eine Studie, die jetzt beim „17th Meeting of the International Society for Sexually Transmitted Diseases Research“ vorgestellt wurde. 5.925 Frauen aus Afrika und Thailand wurden im Rahmen dieser „HC-HIV-Studie“ untersucht. Der Untersuchungszeitraum betrug zwischen 15 und 24 Monaten. 52 Prozent dieser Frauen hatten einen Partner, der beschnitten war.

Die Inzidenz einer Chlamydien-Infektion lag bei jenen Frauen, deren Partner beschnitten war, bei 4,5 pro 100 Personenjahren und 3,9 pro 100 Personenjahren, wenn der Partner unbeschnitten war. Die entsprechenden Inzidenzen für eine Gonokokkeninfektion: 3,7 beziehungsweise 3,1; bei Trichomonadeninfektion: 4,7 beziehungsweise 3,9. Diese Unterschiede waren allesamt nicht signifikant. Daran änderte sich auch nichts, als man verschiedene Störfaktoren wie Alter beim ersten Geschlechtsverkehrs und anderes herausrechnete.

Dieses Ergebnis überrascht Experten nicht, enttäuscht aber dennoch. Tatsächlich ist die Vorhaut des Mannes ein geradezu ideales Einfallstor für Geschlechtskrankheiten. Fehlt diese Vorhaut, muss das die Frauen aber noch lange nicht schützen. Jetzt sollen noch größere Studien zu diesem Thema begonnen werden. Möglicherweise, so die Forscher, gibt es andere Erkrankungen wie etwa bakterielle Vaginosen, die durch eine Beschneidung des Mannes seltener auftreten.

MEDICA.de; Quelle: 17th Meeting of the International Society for Sexually Transmitted Diseases Research Abstract 449