Wissenschaftler der französischen "University Versailles Saint-Quentin" nahmen 3.035 sexuell aktive, heterosexuelle Männer aus Südafrika in eine prospektive Studie auf. Die Männer waren zwischen 18 und 24 Jahren alt und lebten in der Nähe von Johannesburg. Alle waren gesund und bereit dazu, sich beschneiden zu lassen.

Allerdings wurde nur die Hälfte von ihnen tatsächlich beschnitten. Die anderen waren bereit dazu, 20 Monate lang zu warten. Nach 21 Monaten waren 69 der ehemals HIV-negativen Männer HIV-positiv. 51 davon stammten aus der Gruppe der Unbeschnittenen, 18 der Männer hatten sich trotz Beschneidung infiziert. Daraus kann man errechnen, dass beschnittene Männer zu 65 Prozent gegen eine HIV-Infektion geschützt sind. Das bedeutet, dass sechs bis sieben von zehn potentiellen Infektionen durch Beschneidung verhindert werden können. Dieses Ergebnis war unabhängig von der jeweiligen Sexualpraktik.

Die Studienleiter legen aber Wert auf die Feststellung, dass dieser Wert nur für die HIV-Übertragung von Frauen auf Männer gesichert ist. Zur Übertragungsrate unter Männern sagt diese Studie nichts aus.

Dieses Ergebnis ist ermutigend. Experten wiesen bei der Konferenz jedoch auf verschiedene Schwierigkeiten hin. Zum einen muss eine Beschneidung fachmännisch durchgeführt werden, was bei den Entwicklungsländern nicht immer der Fall ist. Außerdem könnten sich beschnittene Männer in einer falschen Sicherheit wiegen und möglicherweise darauf verzichten, Kondome zu benutzen. Das "Joint United Nations Programme on HIV/AIDS (UNAIDS)" weist daher in einer Stellungnahme darauf hin, dass solche neuen Entdeckungen keinesfalls die bisherigen Anstrengungen zur Eindämmung von HIV-Infektionen unerlaufen dürften.

MEDICA.de; Quelle: 3rd International AIDS Society Conference on HIV Pathogenesis and Treatment Abstract TuOa0402