Beschwerden ohne Befund

Photo: Stethoskop und andere typische Arztutensilien

Wenn Beschwerden keine körperli-
che Ursache haben, sind Hausärzte
laut Studie oft mit ihrem Latein am
Ende; © SXC

Rund 25 Prozent der Patienten in der Hausarztpraxis leiden an anhaltenden, körperlich nicht erklärbaren Beschwerden; oft werden sie jahrelang vergeblich auf organische Ursachen untersucht. Die psychosomatische Schulung von Hausärzten und ein Zusatzangebot an Gruppentherapie könnten dies verhindern helfen.

In einem zweiphasigen Forschungsprojekt wird die Wirksamkeit derartiger Schulungen und einer Gruppenbehandlung untersucht. Das Forschungsprojekt wird gemeinsam von Psychosomatikern und Allgemeinärzten durchgeführt. Teilgenommen haben über 70 niedergelassene Hausärzte aus dem Rhein-Neckar-Kreis.

"Patienten in der Hausarztpraxis, die an unklaren funktionellen Beschwerden leiden, haben meist einen hohen Leidensdruck", sagt Dr. Rainer Schäfert, verantwortlicher Studienarzt. Hausärzte fühlten sich bei der Behandlung dieser Patienten oft besonders gefordert. Denn Diagnostik und Behandlung der unklaren Störungen gestalten sich schwierig. "Es werden sehr viele Tests gemacht und Therapien erprobt", schildert Claudia Kaufmann, verantwortliche Studienpsychologin. Die Folge seien hohe Krankheitskosten.

Im ersten Schritt der Studie wurde ein Qualifizierungsprogramm zur Früherkennung und Behandlung funktioneller Beschwerden entwickelt. Die Hausärzte fühlten sich nach der Schulung von ihren psychosomatischen Patienten deutlich weniger belastet. Bei den Patienten ließen sich dagegen keine nennenswerten Verbesserungen feststellen.

Eine zweite Studie untersucht deshalb, ob ein erweitertes Therapieprogramm mit Gruppengesprächen den Patienten hilft. 18 Hausärzte bieten zusammen mit einem Psychosomatiker in ihrer Praxis Gruppengespräche über zehn Sitzungen und zwei Nachtreffen à 90 Minuten für jeweils zehn bis zwölf Patienten an; weitere 18 Hausärzte behandeln ihre Patienten nur im üblichen kurzen Einzelgespräch. Die Patienten werden über psychosomatischen Störungen informiert und erlernen ein Entspannungsverfahren. Gemeinsam werden Möglichkeiten erörtert, wie die Beschwerden bewältigt und persönliche Kraftquellen erschlossen werden können.

"Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass das Versorgungsmodell nach Einschätzung der teilnehmenden Hausärzte sehr geeignet ist und eine hohe Zahl der Patienten tatsächlich erreicht", so Schäfert.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg