MRSA: Besiedlung von Aufnahmepatienten

12/09/2013
Foto: MRSA

Eine risikobasierte MRSA-Untersu-
chung reduziert die unentdeckte Übertragung im Krankenhaus;
© panthermedia.net/Andreas Teske

Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) ist der bekannteste bakterielle, gegen eine Vielzahl von Antibiotika resistente Erreger, auch als „Krankenhauskeim“ bekannt.

Bundesweit verursacht er in weit über 100.000 Fällen gerade bei Patienten mit Grunderkrankungen oder notwendigen medizinischen Eingriffen zum Teil sehr schwer verlaufende Infektionen, die in gewissem Sinne einen „Preis des medizinischen Fortschritts“ darstellen. Hygiene- und Präventionsmaßnahmen können jedoch die zunehmende Ausbreitung des Erregers durchaus eindämmen.

Da die alleinige Besiedlung mit MRSA noch keine Symptome verursacht, die Kontrolle seiner Ausbreitung jedoch die Erfassung möglichst aller (zum großen Teil unerkannt) Besiedelter erfordert, sind labormedizinische Untersuchungen erforderlich.

Ende 2010 wurde durch das „Netzwerk zur Kontrolle und Prävention von MRSA im Saarland“ (MRSAarNetz) eine landesweite Aktion durchgeführt, bei der in allen 24 Akutkrankenhäusern und bei über 80% der Aufnahmepatienten eine Abstrich- Untersuchung auf MRSA durchgeführt wurde. Über 20.000 Patienten wurden innerhalb von zwei Monaten untersucht, nur ca. 600 Patienten haben eine Untersuchung abgelehnt.

Es handelt dabei um die international erste Untersuchung dieser Art, bei der in allen Akuteinrichtungen eines (Bundes-) Landes zeitgleich ein solches Screening durchgeführt wurde. Aufgrund dieser großen Zahl von Teilnehmern können die Studienergebnisse als repräsentativ angesehen werden.

436 von 20.027 Patienten wurden positiv für MRSA getestet, dies entspricht 2.2/100 Aufnahmepatienten. Im Vergleich zu Untersuchungen anderer Länder (USA, Europa) ist dies eine eher niedrige Rate, sie liegt jedoch im oberen Bereich der Raten aus vergleichbaren deutschen Studien. Die Feststellung dieser Aufnahmerate bedeutet, dass allein im Saarland jährlich ca. 5.000 Patienten bereits bei Krankenhausaufnahme MRSA-besiedelt sind.

Es ist wichtig, diese Patienten möglichst frühzeitig in Bezug auf eine solche Besiedlung zu identifizieren. Eine bei allen Aufnahmepatienten durchgeführte Abstrich-Untersuchung wäre jedoch möglicherweise nicht kosteneffizient, allerdings sollte sie unbedingt bei Risikopatienten durchgeführt werden.

Laut der Studie ist eine MRSA-Untersuchung nur bei einem kleineren Teil der Patienten erforderlich (30%) und sichert dann die Identifizierung der meisten MRSA-Besiedelten (67%). Diese können umgehend durch äußerliche Anwendung von Desinfektionsmitteln von ihrem Erreger befreit werden und tragen anschließend auch kein Risiko mehr, vom eigenen MRSA-Keim krank zu werden.

Eine risikobasierte MRSA-Untersuchung schafft die Voraussetzung, dass Patienten vor ihrem eigenen Erreger geschützt werden und reduziert die unentdeckte Übertragung im Krankenhaus.

Es entstehen Möglichkeiten zur Kostensenkung im Gesundheitswesen im Saarland, da bei rechnerisch 0.5 Mio. € / Jahr zusätzlichen Untersuchungskosten ein zumindest substantieller Anteil der jährlich ca. 10-15 Mio. € zusätzlicher Kosten durch MRSA-Infektionen eingespart werden kann.

MEDICA.de; Quelle: Universität des Saarlandes