Besser Lernen durch zerbrechliche Synapsen

Wurde die SynCAM1-Menge experimentell erhöht, stieg die Anzahl der Synapsen - die Nervenzellen sollten mehr Wege zur Übertragung von Informationen haben.

Mit großen, kreisenden Bewegungen der Arme steuern die Menschen Spiele auf dem Computer vor ihnen. Sie stehen dabei und konzentrieren sich voll auf den Bildschirm. „Neben der Medikation ist Bewegung für uns das Wichtigste“, berichtet Iris Sengstacke von der Bremer Selbsthilfegruppe für Parkinson. Bislang gibt es für sie nur klassische Gedächtnisspiele am PC zum Davorsitzen. „Damit können Parkinsonkranke wenig anfangen. Sie haben ja schon eine steife Muskulatur und sie brauchen Bewegung“, erläutert Ronald Meyer.

Wie sich Computerspiele und Bewegung zusammenführen lassen, das erprobt der Master-Student in einem Projekt mit zehn Kommilitonen im Studiengang Digitale Medien der Universität Bremen am Beispiel Parkinson. Sie kamen zu dem Thema, weil der Schwiegervater von einem der Studenten von dieser Erkrankung des zentralen Nervensystems betroffen ist. „Hier ein Set von Spielen zu kreieren, das Stimm-, Bewegungs- und Koordinationstraining abdeckt, ist unsere Herausforderung bis zum Ende des Studienjahres im Sommer“, sagt Meyer.

Serious Games nennt sich dieser Bereich von Spieleentwicklung. Es geht immer noch ums Spielen, aber mit ernsthaftem Hintergrund und Nutzen. „Es werden Therapiespiele sein, die vor allem Spaß machen und die Konzentration auf das zu erreichende Ziel lenken. Die Spieler sollen möglichst die Bewegungsübung selbst kaum merken und eben nicht als Last empfinden“, erläutert Professor Rainer Malaka, Sprecher des Technologie-Zentrums Informatik und Informationstechnik (TZI) der Universität Bremen.

Die Vorführungen der ersten Prototypen in den Bremer Selbsthilfegruppen der Deutschen Parkinson Vereinigung waren jedenfalls ein Erfolg. „Das wurde von uns Betroffenen sehr gut angenommen“, sagt Iris Sengstacke. Mitgefahren sind die Studenten auch zu einem gemeinsamen Seminar der Bremer Gruppen, bei dem 70 Betroffene die neuen Serious Games testeten. „Und wir haben auch selbst mitgemacht bei Angeboten zur Physiotherapie für Parkinsonkranke, um zu erleben, welche Einschränkungen es gibt und was an Bewegung möglich ist“, berichtet Meyer.


MEDICA.de; Quelle: Max-Planck-Institut für Neurobiologie