Wissenschaftler des Memorial Sloan–Kettering Cancer Center in New York in den USA haben untersucht, ob man Patienten mit einem kleinen Nierenkarzinom nicht wenigstens einen Teil ihrer Niere und damit auch deren Funktion erhalten sollte.

Dazu analysierte ein Team retrospektiv die Daten von 648 Patienten. Alle waren zwischen 1989 und 2003 wegen eines lokalisierten Nierenkarzinoms von höchstens vier Zentimetern operiert worden. 358 dieser Patienten hatten sich einer partiellen Nephrektomie unterzogen. Bei den anderen wurde die komplette Niere entfernt. In Bezug auf die Überlebenszeit unterschieden sich beide Gruppen nicht signifikant voneinander (p größer 0.52).

Dann untersuchte das Team aber speziell die Daten jener Patienten, die zum Zeitpunkt der Operation jünger als 65 Jahre waren. Hier zeigte sich nun, dass jene Patienten, die nur einen Teil ihrer Niere verloren hatten, signifikant länger überlebten: Die Gesamtmortalität war unter der radikalen Nephrektomie 2,16-fach höher als unter der partiellen Nephrektomie (p größer 0.02). In genaueren Zahlen: Zehn Jahre nach der radikalen Operation lebten noch 82 Prozent der Patienten, aber 93 Prozent der Patienten nach partieller Nephrektomie.

Dieser Unterschied ist erklärungsbedürftig. Die Studienleiter weisen darauf hin, dass sie ihre Daten aus einer Krebsdatenbank bekamen. Sie können daher nur sagen, dass die unterschiedliche Überlebenswahrscheinlichkeit jedenfalls nicht auf eine unterschiedliche Krebssterblichkeit zurückzuführen ist. Man kann vermuten, dass die fehlende Niere nach radikaler Nephrektomie Langzeit-Nierenschäden verursacht, die zur höheren Sterblichkeit zumindest beitragen könnten.

MEDICA.de; Quelle: Journal of Urology 2008, Vol. 179, S. 468-473